Boxen : Ende der Sanierung: Des Königs Wusterhausen strahlt wieder

Claus-Dieter Steyer

"Das Herz unserer Stadt fängt wieder an zu schlagen". Der Bürgermeister der südöstlich Berlins gelegenen Kleinstadt Königs Wusterhausen, Jochen Wagner, zeigt sich beim Gang durch das renovierte Schloss sichtlich bewegt. Zwischen letzten Handgriffen der Restauratoren an Gemälden, Kronleuchtern und Geweihen sucht er weiter nach pathetischen Formulierungen. Die Stadt finde jetzt endlich zu ihren Wurzeln zurück, die Wiedereröffnung am Sonnabend löse in der Bürgerschaft ein "ausgesprochenes Glücksgefühl" aus, und er selbst empfinde das Ereignis als "Sternstunde für einen Bürgermeister". Deshalb werde morgen ein großes Stadtfest steigen, dass ausschließlich ortsansässigen Schulen, Kirchgemeinden, Gewerbetreibende, Handwerker und viele andere Einwohnern gestalteten.

Die offensichtlich große Begeisterung für das Schloss erschließt sich für den Fremden nicht auf Anhieb. Denn es gibt gerade im Berliner Umland viel größere, stattlichere und sehenswertere Königsbauten - zum Beispiel in Caputh, Oranienburg, Rheinsberg oder natürlich in Potsdam. Doch in "KW", wie die Einheimischen ihr Königs Wusterhausen kurz nennen, war das Schloss Jahrzehnte gar nicht als solches wahrnehmbar. "Durch Missachtung und Fremdnutzung drohte es 1990 buchstäblich in die Knie zu gehen", sagte der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Professor Hans-Joachim Giersberg. Die Fundamente einzelner Flügel und Mauern seien völlig brüchig gewesen. Das erkläre nicht zuletzt die langen Renovierungsarbeiten. In neun Jahren seien insgesamt elf Millionen Mark verbaut worden. Das Geld kam von der Europäischen Union sowie aus den Kassen des Bundes und der Länder Brandenburg und Berlin.

"Die Summe hört sich hoch an", räumte Giersberg ein. "Doch es ist nur der 40. Teil der Ausgaben für den Umbau des Olympiastadions. Deshalb muss es nicht immer die Kultur sein, wenn es ums Sparen geht." Die Stadt und ihre Besucher erhielten mit dem Schloss ein durchaus interessantes Museum.

Im Innern wird die Zeit zwischen 1700 und 1740 lebendig. In diesen Jahren war der kleine Ort zwischen Dahme und Notte zum "Wusterhauses des Königs" geworden. 1713 erfolgte die offizielle Umbenennung. Als Weihnachtsgabe hatte der damals zehnjährige Kurprinz 1698, der spätere König Friedrich Wilhelm I., das Anwesen der damaligen Burg und die umliegenden Ländereien von seinem Vater Friedrich III. erhalten. Es wurde bald zum Lieblingsschloss des Königs. Seit 1701 preußischer Kronprinz, entwickelte er hier eigene Anschauungen zur verschwenderischen Hofhaltung seines Vaters. Seine Vorliebe für alles Militärische konnte er fernab von Potsdam und Berlin ausleben. Er befehligte von Wusterhausen aus ein eigenes Regiment und begann mit dem Aufbau der später berühmt gewordenen Leib-Bataillons der Langen Kerls. Außerdem frönte er seiner Jagdleidenschaft.

Zwischen 1713 und 1740, dem Todesjahr Wilhelm I. war in den Monaten August bis November der ganze Hofstaat in Königs Wusterhausen anwesend - zur Jagd und zum Fällen wichtiger politischer Entscheidungen. Dazu diente unter anderem das Tabakskollegium, bei dem sich der König mit Generälen, Fürsten und Oberjagdmeistern traf. Seinen Platz in der Geschichte fand das Schloss nicht zuletzt durch das hier am 30. November 1730 unterzeichnete Todesurteil für Hermann von Katte, der dem jungen Kronprinzen Friedrich zur Flucht nach England verhelfen wollte.

Nach 1740 verlor das Haus seinen Glanz. Deshalb findet der Besucher keine Stuckdecken oder mit Seide bespannte Wände wie in anderen Häusern vor. Das originale Mobilar ging weitgehend verloren. Nach dem Krieg zog für zwei Jahre die sowjetische Armee ein. Ihr folgten eine Berufsschule und der Rat des Kreises Königs Wusterhausen. Seit 1991 gehören Schloss und Garten als 26. Ensemble wieder zur Schlösserstiftung.

Den Gast erwarten heute rund 160 Gemälde, darunter 41 selbstgemalte Bilder des Königs. Zurückgekehrt sind auch die 49 Porträts von Offizieren des kronprinzlichen Regiments. Die Ausstellung ergänzen Jagdtrophäen und Beispiele der Möbelkunst um 1730/40. Weitgehend im Zustand vor 270 Jahren zeigt sich auch der Schlossgarten, der bis vor wenigen Jahren noch Baracken, einen Parkplatz und eine Rampe zum Abschmieren von Autos beherbergte. Der Umbau ist noch nicht abgeschlossen. In den nächsten Tagen werden 54 Linden und 17 Kastanien gepflanzt.

Aus baupolizeilichen Gründen dürfen sich jeweils nur 60 Personen gleichzeitig im Schloss aufhalten. "Es gibt keinen zweiten Fluchtweg", erklärte Professor Giersberg. "Bei Gefahr bliebe bei einer Überfüllung des Hauses nur der Sprung aus dem Fenster." Um den erwarteten Ansturm in den nächsten Tagen bewältigen zu können, kann das Schloss am Sonnabend von 13 bis 18 Uhr und von Sonntag bis Dienstag (3. Oktober) von 10 bis 17 Uhr ohne Führung besichtigt werden. Ab Mittwoch sind Besichtigungen täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, ab November bis März bis 16 Uhr, nur mit Führungen möglich.

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