Entführter Manager : Polizei weitet Suche nach Kidnapper von Storkow aus

Im Fall des brutal entführten Berliner Geschäftsmanns sind bislang 270 Hinweise eingegangen. Der Täter spionierte offenbar ein halbes Jahr in der Umgebung des Storkower Sees - und könnte dabei mehr Spuren hinterlassen haben.

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Suchtrupp. In den Wäldern rund um den Tatort sind wie schon seit zehn Tagen die Einsatzkräfte unterwegs, um Spuren zum Entführungsfall zu finden. Foto: dpa
Suchtrupp. In den Wäldern rund um den Tatort sind wie schon seit zehn Tagen die Einsatzkräfte unterwegs, um Spuren...Foto: dpa

Storkow - Zur Aufklärung des spektakulären Entführungsfalls von Storkow sucht die Polizei noch immer das mögliche Versteck des Täters. Nach deren bisherigen Ermittlungen muss sich der unbekannte Mann mindestens sechs Monate in der Region um den Großen Storkower See und den Scharmützelsee aufgehalten haben, um das Wochenendgrundstück des Berliner Finanzunternehmers auszuspionieren. Deshalb erweiterte die Sonderkommission gestern den Suchbereich. Diesmal durchkämmten rund 200 Polizisten die Umgebung des kleinen Ortes Dahmsdorf am nordöstlichen Ufer des Großen Storkower Sees. Von hier aus könnte der Mann mit einem inzwischen gefundenen Kajak über den an dieser Stelle etwa einen Kilometer breiten See gepaddelt sein, um am Abend des 5. Oktobers ins Haus des Geschäftsmannes im Ortsteil Hubertushöhe einzudringen.

Wie berichtet, hatte er dort die Ehefrau mit einem Pistolenschuss eingeschüchtert und sie gezwungen, ihren Mann zu knebeln. Der 51-Jährige musste sich danach an ein Boot hängen und wurde durch den See auf eine rund 200 Meter vom Wohnhaus entfernte Insel im Schilf und Moor geschleppt. Hier zwang der Täter sein Opfer, Briefe an die Frau mit einer Lösegeldforderung in Millionenhöhe zu schreiben. „Insgesamt acht Briefe wollte der Entführer der Ehefrau überreichen und sie damit in einer Schnitzeljagd an verschiedene Orte locken“, sagte ein Polizeisprecher. Dazu kam es nicht, denn der Entführte konnte sich am vorvergangenen Sonntag selbst befreien.

Ein neuer Blick auf den "Maskenmann-Prozess"
Der Tatverdächtige Dachdecker Mario K. verdeckt im Gerichtssaal im November 2014 sein Gesicht mit einem Schnellhefter. Unsere Fotogalerie zum Fall. Foto: Patrick Pleul/dpaWeitere Bilder anzeigen
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18.05.2015 08:49Der Tatverdächtige Dachdecker Mario K. verdeckt im Gerichtssaal im November 2014 sein Gesicht mit einem Schnellhefter. Unsere...

Die Befragungen in den Orten rund um den Großen Storkower See gehen derweil weiter. „Wir vermuten einfach, dass der Entführer in der Umgebung des Tatortes aufgefallen ist“, begründete der Polizeisprecher die seit einer Woche andauernde Aktion. „Nach der Tat hat er möglicherweise sein gewohntes Wohn- und Berufsumfeld verlassen. Deshalb sind wir dringend auf Meldungen aus der Bevölkerung angewiesen.“

Diese gehen bei der Polizei tatsächlich in großer Zahl ein. Bis zum Montagnachmittag registrierte sie rund 270 Hinweise. Allein 18 davon gingen unmittelbar nach der RBB-Sendung „Täter, Opfer, Polizei“ am Sonntagabend ein. Diese bezogen sich sowohl auf Bereiche rund um Storkow als auch auf andere Gegenden in Berlin und Brandenburg, wo man Menschen gesehen haben wollte, auf die die Beschreibung des Täters passte. Eine konkrete Spur gibt es bisher aber nicht.

Die Polizei hofft, wie berichtet, besonders auf Angaben zum rot-weißen Kajak. Auffällig ist das neue schwarze Halteseil und das mit Packfolienband verklebte Loch am Bug. Ziemlich genau habe das Opfer auch die grauen Lederhandschuhe beschreiben können, die auffällige Nähte besaßen. Außerdem prüft die Polizei weiterhin einen Zusammenhang zum Anschlag auf die Berliner Unternehmerfamilie P. im zehn Kilometer entfernten Bad Saarow vor einem Jahr. Damals wurde aus derselben Pistole gefeuert.

Der Entführungsfall im Netz unter www.internetwache.brandenburg.de

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