Boxen : Flughafen-Streit gefährdet 130 Arbeitsplätze in Schönefeld

Lufthansa befürchtet, dass ihrer eigenen Wartungsfirma Kunden entgehen, wenn die Geschäftsflieger in Tempelhof bleiben – und droht nun mit Wegzug

Klaus Kurpjuweit

Schönefeld - Unruhe bei der Lufthansa: Die größte deutsche Fluggesellschaft ist irritiert über die Forderungen, den Flugverkehr in Tempelhof fortzusetzen, auch wenn dies nur für Geschäftsflugzeuge gelten sollte. Würden diese Maschinen auch zukünftig in der Berliner Innenstadt landen, wären nach Ansicht von führenden Vertretern des Konzerns in Schönefeld etwa 130 eigene Arbeitsplätze gefährdet.

Lufthansa hat dort gemeinsam mit dem kanadischen Konzern Bombardier eine Basis für die Wartung von Geschäftsflugzeugen gegründet und dabei darauf gesetzt, dass der neue BBI-Flughafen auch neue Kunden bringen werde. Durch einen Weiterbetrieb in Tempelhof sei dieses Konzept gefährdet. Dann müsse man auch darüber nachdenken, einen anderen Standort zu suchen, heißt es im Konzern.

Verwundert sei man, dass sich die Diskussionen in Berlin auf die Belange der mittelständischen Unternehmen in Tempelhof konzentrieren. Die Interessen der Schönefelder Firmen gingen dagegen unter. Dabei arbeiteten auch dort Berliner.

Mit dem Unternehmen Lufthansa Bombardier Aviation Services (LBAS) hätten sich beide Konzerne frühzeitig für die deutsche Hauptstadtregion entschieden, heißt es in einem Firmenpapier. 1997 mit 20 Mitarbeitern gegründet, beschäftigt das Unternehmen heute 130 Menschen. Im Vertrauen auf die „Verlässlichkeit der Politik“ habe man den Standort Schönefeld ausgebaut und einen langfristigen Mietvertrag für zwei Hangars bis 2020 abgeschlossen.

Bliebe Tempelhof für Geschäftsflugzeuge in Betrieb, fehlten diese Kunden, mit denen man fest gerechnet habe, in Schönefeld, was den Standort auf Dauer dann unrentabel machen könne.

Bereits vor wenigen Wochen hatte die Lufthansa Planungssicherheit in der Luftfahrtpolitik gefordert. Das Hick-Hack um einen möglichen Weiterbetrieb in Tempelhof, der den Ausbau Schönefelds gefährden könne, „beunruhige“ das Unternehmen, sagte damals der Berliner Lufthansa-Bevollmächtigte Thomas Kropp dem Tagesspiegel. Es bestehe die Gefahr, dass das BBI-Projekt europaweit „ins Gerede“ komme.

Ähnlich argumentierten die Industrie- und Handelskammern (IHK) in Brandenburg. Wenn die Grundlagen der Landesplanung, die nur einen Flughafenstandort vorsehen, ständig aufs Neue in Frage gestellt würden, sei dies ein „verheerendes Zeichen an alle Investoren und Unternehmen, die sich in der Region engagieren“, erklärten die Kammern. Die Berliner IHK, die sich auch für den Bau des neuen Flughafens einsetzt, unterstützt dagegen die Pläne, die Geschäftsfliegerei in Tempelhof zu lassen. Dort will die Bahn AG diesen Flugbetrieb auf Dauer in Kooperation mit dem amerikanischen Unternehmen CED übernehmen, das in den Gebäuden ein Gesundheits- und Kongresszentrum schaffen will.

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