Boxen : Gut gewachsen

Nachfrageschub für Bio-Bauern: Um 18 Prozent konnten sie ihren Absatz in der Region steigern

Claus-Dieter Steyer

Potsdam - Diese Steigerungsrate im Absatz von Bio-Produkten überraschte selbst die Fachleute: Um 18 Prozent ist der Verkauf von ökologischen Lebensmitteln in Berlin und Brandenburg 2005 gegenüber 2004 gestiegen. Der größte Teil kommt von einheimischen Produzenten. Damit übertrafen die Bio-Bauern aus der Region sogar noch um drei Prozentpunkte das bundesweite Durchschnittsergebnis. Derzeit werden knapp zehn Prozent der 1,1 Millionen Hektar großen landwirtschaftlichen Nutzfläche in Brandenburg ökologisch bewirtschaftet. Die Landwirte verzichten hier auf chemische Pflanzenschutzmittel und ziehen Rinder, Schweine und andere Tiere ohne Wachstumspräparate auf. Nirgends in Deutschland ist der Anteil der biologisch bearbeiteten Nutzfläche so hoch wie in Brandenburg.

Die wichtigsten Biogroßhändler in Berlin – Terra Naturkost und Midgard – kaufen im Umland vor allem Obst, Gemüse, Fleisch und Milchprodukte. Qualitätsprobleme, die noch vor einigen Jahren beklagt wurden, gehören inzwischen nach Angaben beider Unternehmen der Vergangenheit an. Das Brandenburger Agrarministerium sieht mehrere Gründe für den Erfolg der Bio-Sparte. „Sie profitiert von der besonderen Förderung durch die vormalige Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne)“, sagt Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade. „Außerdem hat sich die Nachfrage nach Bio-Produkten nach den Lebensmittelskandalen stark erhöht.“ Darauf habe sich der Handel eingestellt. Auch Discount-Ketten führten inzwischen eigene Bio-Marken. „Die Zeit, in der Bio-Produkte nur für Müsli-Esser und Birkenstock-Träger interessant waren, ist vorbei“, freut sich Agrarminister Dietmar Woidke (SPD).

Die Umsatzsteigerung drückt sich auch in der Zahl der Brandenburger Öko-Betriebe aus: Deren Zahl ist von 2004 bis 2005 von 727 auf 761 gewachsen. 630 dieser Unternehmen beschäftigen sich mit Landwirtschaft oder Gartenbau, der Rest hat sich auf Nischenprodukte wie Sanddorn oder alte Apfelsorten spezialisiert. Fast ein Viertel dieser Betriebe besitzt inzwischen auch eigene Verarbeitungskapazitäten. Vor Jahresfrist lag der Anteil lediglich bei 20 Prozent. In diesem Jahr erhält die Brandenburger Öko-Branche rund 16 Millionen Euro zur Unterstützung aus der Landeskasse. Das ist der höchste Betrag seit 1990. Weiter steigen soll er aber nicht. Daher werden neue Anträge auf Förderung nicht mehr angenommen. Stattdessen sollen die bestehenden Unternehmen weiter gestärkt werden. Die Ausgleichszahlungen dienen unter anderem zum Ausgleich der Nachteile, die der Verzicht auf Dünge- und Pflanzenschutzmittel mit sich bringt.

Eine Gefahr sieht die Branche allerdings durch den wachsenden Anteil von Anbauflächen für genmanipulierte Pflanzen. Noch bewegt sich die betroffene Fläche mit rund 800 Hektar auf sehr niedrigem Niveau. „Dennoch könnte das Image der Brandenburger Landwirtschaft Schaden nehmen“, räumt Ministeriumssprecher Schade ein. Deshalb unterstütze die Landesregierung Initiativen für „gentechnikfreie Zonen“. Dazu haben sich Bauern und Tourismusfachleute unter anderem in der Uckermark und im Spreewald zusammengeschlossen. In Brandenburg wird vor allem veränderter Mais angebaut. 25 Standorte mit insgesamt 560 Hektar sind in diesem Jahr geplant, vor allem in den Landkreisen Märkisch-Oderland, Oberhavel und Elbe-Elster. Damit nimmt Brandenburg auch hier einen Spitzenplatz ein.

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