Halbe und Seelow : Tausende lassen "Nazi-Träume platzen"

In Brandenburg hat es am Vorabend des Volkstrauertages mehrere Proteste gegen rechtsextremistische Umtriebe gegeben. In Halbe und Seelow protestierten insgesamt fast 10.000 Menschen gegen Neonazis.

Halbe/Seelow - Über 8000 Menschen aus Brandenburg und Berlin, darunter Vertreter von Parteien, Gewerkschaften und Initiativen, kamen nach Veranstalterangaben zum "Tag der Demokraten" nach Halbe. "Wir haben das Ziel erreicht und eindrucksvoll bewiesen, dass wir hier mehr Demokraten sind als Nazis in ganz Deutschland", sagte Landtagspräsident Gunter Fritsch. Auch in Seelow protestierten über tausend Menschen gegen einen zeitgleichen Aufmarsch von Neonazis.

Auf der Kundgebung in Halbe unter dem Motto "Lass die Nazi-Träume platzen" rief Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) zu verstärkten Anstrengungen gegen Rechtsextremismus auf. "Die Gegenwehr muss aus der Mitte der Gesellschaft kommen", sagte er. Brandenburg werde alles tun, um rechtspopulistische und rechtsextreme Gruppierungen daran zu hindern, den öffentlichen Raum zu besetzen. "Nazis dürfen keinen Fußbreit Raum mehr in Halbe oder anderswo bekommen", sagte Platzeck. Zugleich bat er Lehrer und Eltern, mit Kindern und Jugendlichen jene Stätten zu besuchen, die die wahnhafte Politik der Nazis belegten.

Die parteiübergreifende Veranstaltung zeige, "dass wir diesen Raum unseres Gedenkens nicht den Extremisten überlassen", sagte Innenminister Jörg Schönbohm (CDU). Die rechtsextremen Demonstranten wollten die Kriegsopfer "für ihre miesen politischen Ziele" instrumentalisieren. Die Toten hätten aber Respekt verdient. Von der Kundgebung gehe ein klares Signal aus: Wer Freiheit und Demokratie bekämpfe, werde auf den Widerstand des Rechtsstaates stoßen.

"Wir dürfen und wir werden den Neonazis weder in Brandenburg noch sonst irgendwo in Deutschland die Bühne der Öffentlichkeit überlassen", schrieb Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in einem Grußwort. Weltoffenheit und Toleranz seien zentrale Werte, die heute wichtiger denn je seien. "Wir lassen nicht zu, dass Neonazis und rechte Schläger versuchen, in Teilen des Landes ein Klima der Angst und Einschüchterung zu erzeugen", sagte er. Nichts sei beschämender als die Tatsache, dass es Menschen anderer Hautfarbe gibt, die Angst haben, nach Deutschland kommen.

Seelow: Heftige Proteste von Gegendemonstranten

In Seelow beging der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge am Vormittag die zentrale Veranstaltung des Landes Brandenburg zum Volkstrauertag. Daran nahm auch Platzeck teil. Er sei nach Seelow gekommen, um seine Solidarität mit den Menschen hier zu zeigen, die den Neonazi-Aufmarsch nicht einfach hinnähmen, sagte er. Rund 1000 Neonazis zogen durch die Stadt zur deutschen Kriegsgräberstätte von Seelow. Am Rande gab es starke Proteste von Gegendemonstranten.

Die Polizei war an beiden Orten mit insgesamt 1500 Beamten aus Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und von der Bundespolizei im Einsatz. Bis zum Nachmittag gab es nach Angaben eines Sprechers kaum nennenswerte Zwischenfälle.

Der Waldfriedhof von Halbe ist Deutschlands größter Soldatenfriedhof. Dort fanden nach Angaben des Volksbundes rund 28.000 Tote ihre letzte Ruhe. Bei der Schlacht vor den Seelower Höhen kamen im April 1945 nach Expertenschätzungen rund 100.000 Soldaten und Zivilisten ums Leben. (tso/ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben