Hornissen : Ganze Völker werden umgesiedelt

Hornissen sind ungefährlich, aber manchmal lästig. Experten des Naturschutzbundes können helfen.

Rainer W. During
Hornisse
Stolzer Brummer. Hornissen füttern ihren Nachwuchs mit Insekten. -Foto: picture-alliance/Okapia

Berlin - Aufregung in der Kindertagesstätte an der Remscheider Straße in Spandau. Ein Junge feiert Geburtstag, ein anderer seinen Abschied. Und dann kommt auch noch der Naturschutzbund. Im Vogelhäuschen am Pflaumenbaum hat sich ein Hornissenschwarm eingenistet.

Die Biologin Melanie von Orlow interessiert sich für Insekten, seit sie als Kind auf einer Cornflakes-Packung einen Bericht über die Haltung von Hummeln in Nistkästen las. Sie ist die Hornissenbeauftragte beim Naturschutzbund und beruhigt die Kinder erst einmal. Ihnen drohe auf dem Spielplatz der Kita keine Gefahr. Hornissen, die großen Verwandten der Wespe, machen um Menschen in der Regel einen Bogen und werden nur aggressiv, wenn man an ihrem Nest rüttelt oder sie attackiert. Das sollte man aber schon deshalb unterlassen, weil die Hornissen als bedrohte Tierart unter Schutz stehen und selbst für Kammerjäger tabu sind.

So nimmt ihre Population wieder zu – wenn auch keiner weiß, wie viele Völker es in Berlin gibt. Doch dort, wo sie stören, werden Hornissenvölker umgesiedelt. Für Melanie von Orlow und Bodo Fuchs, Imker im Museumsdorf Düppel, ist der Kitaeinsatz schnell erledigt. Der Nistkasten wird einfach verschlossen und mitgenommen. Ein Gartenbesitzer freut sich schon darauf, den Hornissen Asyl zu gewähren, weil sie Wespen fernhalten. Mit ihren kräftigen Beißwerkzeugen machen sie bei der Futtersuche für die Larven auch größeren Insekten den Garaus. Die ausgewachsenen Tiere ernähren sich vegetarisch.

Schon kommt der nächste Notruf für die Hornissenexperten. Rund ein Dutzend Einsätze sind es pro Woche. Ende Oktober ist die Saison vorbei. Dann sterben die Völker, nur junge begattete Königinnen überwintern. Diesmal wird es schwieriger: Ein wesentlich größeres Volk als in der Kita hat sich den Jalousiekasten vor dem Schlafzimmer einer Parterrewohnung im Spektefeld zur Heimat gemacht. Vor dem Fenster herrscht reger Flugbetrieb. Für die Bewohner drinnen keine akute Gefahr, dennoch muss das Nest verschwinden. Wegen des Hornissenkots würde es in den Räumen sonst bald stinken.

Jetzt ist Vorsicht geboten. Die beiden Spezialisten ziehen ihre dicke Schutzkleidung an, streifen Handschuhe und Hut mit Gesichtsnetz über. Dann wird der Kasten geöffnet. Das dreistöckige, aus zerkautem Altholz gebaute Nest birgt mehr als 100 Hornissen und muss zerlegt werden. Die Insekten finden das überhaupt nicht lustig. Sie kurven zu Dutzenden durch das Zimmer und müssen einzeln eingefangen werden. Trotz aller Vorsicht wird Bodo Fuchs gestochen. „Nicht schlimmer als bei einer Wespe“, sagt der Imker. Nach einer Stunde hat Melanie von Orlow den letzten Teil des Nestes geborgen. In den Waben signalisieren die gelblichen Larven durch leise Klopfgeräusche ihren Hunger. Als Übergangsnahrung kommt eine Paste aus Pollen und Honig in den Transportbehälter. Künftig wohnt der Schwarm in einem gläsernen Nistkasten auf einem Abenteuerspielplatz in Wilmersdorf. Rainer W. During

Die Hornissenbeauftragten des Naturschutzbundes Berlin sind über die Nummer 9860 8370 zu erreichen.

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