• Lange Haftstrafen für brutale Folter eines Mannes Drei Neonazis quälten ihr Opfer fast zu Tode. Haupttäter muss mehr als 13Jahre ins Gefängnis

Boxen : Lange Haftstrafen für brutale Folter eines Mannes Drei Neonazis quälten ihr Opfer fast zu Tode. Haupttäter muss mehr als 13Jahre ins Gefängnis

Sandra Dassler

Frankfurt (Oder) - Gunnar S. war auch bei der Urteilsverkündung nicht im Gerichtssaal. Die Angst, jenen Menschen in die Augen blicken zu müssen, die sein Leben zerstörten, ist immer noch zu groß.

Die drei muskelstrotzenden Männer, die der Vorsitzende Richter mehrfach mit „Kampfmaschinen“ verglich, haben einen wehrlosen Menschen fast zu Tode gefoltert. Das Landgericht Frankfurt sah es gestern als erwiesen an, dass Ronny B. (29), David K. (23) und Daniel K. (21), den 34-jährigen arbeitslosen Baumaschinisten Gunnar S. am 5. Juni 2004 so brutal misshandelten, dass sein Leben nur noch durch eine Notoperation gerettet werden konnte. Wegen gemeinschaftlich begangener besonders schwerer Vergewaltigung und Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch verurteilte das Frankfurter Landgericht die drei gestern zu Freiheitsstrafen zwischen 13 Jahren und sechs Monaten und neun Jahren. Die 25-jährige Ramona P. und die 20-jährige Stephanie L. erhielten je zwei Jahre Gefängnisstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Das Gericht blieb damit nur knapp unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft, die für Ronny B. vierzehneinhalb Jahre, für David K. zehneinhalb und für Daniel K. neuneinhalb Jahre Haft gefordert hatte. Die Verteidiger hatten auf Haftstrafen zwischen vier und sechs Jahren plädiert, weil die Täter Alkohol konsumiert und eine schwere Kindheit gehabt hätten.

Von verminderter Schuldfähigkeit könne jedoch keine Rede sein, sagte der Vorsitzende Richter Andreas Dielitz. Zwar hätten die Männer Aufputschmittel und Alkohol konsumiert, ihr gesamtes Auftreten während der Tat zeige aber, dass sie sehr wohl in der Lage gewesen seien, ihr Verhalten zu steuern.

Wie berichtet, hatte die Clique ihr Opfer am Vormittag des 5. Juni 2004 genötigt, mit in eine Wohnung zu kommen. Dort musste Gunnar P. sich ausziehen, wurde mehrfach mit Gegenständen vergewaltigt, geschlagen und getreten. Die Täter, die in der Vergangenheit der rechtsextremen Szene von Frankfurt (Oder) angehörten, wollten Gunnar S. angeblich für eine Vergewaltigung bestrafen, die dieser aber nie begangen hatte. Zweieinhalb Stunden lang quälten die rechtsextremen Täter ihr Opfer bestialisch: Stachen mit einem Messer und einer Gabel auf ihn ein, zwangen ihn, Rasierschaum, Weichspüler, Zigaretten, Kippen, und Taubenkot zu schlucken. Dann ließen sie ihn frei – drohten dem Schwerverletzten aber mit dem Tode, falls er jemandem von der Folter erzählen würde. Gerade noch rechtzeitig konnte Gunnar S. im Frankfurter Klinikum operiert werden, die Brandwunden an seinem Oberkörper sind bis heute nicht zu übersehen.

Noch schwerer aber wiegen die psychischen Verletzungen. Gunnar S. ist bis heute schwer traumatisiert, kann nicht arbeiten und lebt von wenig Rente.

Die Täter zeigten sich schockiert und empört über die Höhe der Strafen. „Sie haben anscheinend noch immer nicht begriffen, was sie dem Opfer angetan haben“, konstatierte der Richter, der zuvor einen Gesinnungsgenossen der Schläger wegen permanenter Zwischenrufe aus dem Saal verweisen musste.

Einen rechtsextremen Hintergrund für die Tat selbst konnte das Gericht nicht feststellen. Sie sei eine von drei schweren Gewalttaten in Frankfurt in zwei Monaten gewesen. „Offensichtlich haben wir es mit einem gesellschaftlichen Phänomen zu tun“, sagte der Richter, „mit Menschen, für die massive und rohe Gewalt normal ist“. Dies könne so nicht bleiben – auch deshalb seien drastische Strafen nötig. Den Tätern müsse klar sein, dass sie die Konsequenzen tragen müssten. „Der Rechtsstaat vertritt damit auch in aller Deutlichkeit die Interessen der Opfer.“

Der Anwalt von Gunnar S. sagte: „Es ist sicher eine Art Genugtuung für ihn – auch wenn ihm kein Urteil der Welt die Unversehrtheit von Körper und Seele zurückbringen kann.“

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