Boxen : Langsame Hauptstadt – britische Studie gibt Rätsel auf

Berlin - In Berlin schleichen die Autos im Schnitt mit Tempo 25, in Hamburg rausche der Verkehr mit durchschnittlich 84 Kilometern pro Stunde: Diese Ergebnisse einer britischen Studie, die gestern von der „Bild“-Zeitung veröffentlicht wurde, ließ Fachleute ratlos zurück. Die Verkehrsverwaltung teilte auf Anfrage lediglich mit, dass man sich mit der Studie „nicht beschäftigen“ werde, die Ergebnisse seien doch allzu „unvorstellbar“. Das Londoner Unternehmen „keepmoving“ („bleibe in Fahrt“), das sein Geld mit Staumeldungen verdient, hatte in einer Tabelle das „Tempo“ von 30 europäischen Städten veröffentlicht. Demnach ist London der Verlierer mit 19 km/h im Schnitt, zweitlangsamste Stadt sei Berlin.

Doch auf welcher Basis die Studie entstand, blieb gestern weitgehend offen. Die Sprecherin von keepmoving, Mary Vingoe, gab an, dass in einem Zeitraum von vier Monaten „10 Millionen Messungen“ durchgeführt wurden, und zwar bei keepmoving-Kunden. Gemessen wurde mittels eines GPS-ähnlichen Systems. Die Sprecherin konnte keine Angaben dazu machen, zu welchen Tageszeiten und wo genau gemessen wurde. Mittels eines Anbieters digitaler Landkarten sei für die 30 Städte das Stadtzentrum identifiziert und dort in einem Gebiet von jeweils 26 Quadratkilometern gemessen worden. Aus wie vielen Messungen die durchschnittliche Geschwindigkeit des Verkehrs in einer Stadt errechnet wurde, konnte die Sprecherin nicht sagen. „So genau wurden die Messungen nicht aufgeschlüsselt.“ Dass in Hamburg der Stadtverkehr durchschnittlich mit Tempo 84 fließen soll, versuchte sie so zu erklären: „Dort gibt es in der Innenstadt vermutlich viele Autobahnen.“

Der Verkehrsexperte der Berliner CDU, Rainer Ueckert, wollte die Studie nicht kommentieren: „Da ist die Vergleichbarkeit wohl nicht gegeben.“ SPD-Experte Christian Gaebler sagte, die Studie sei „wohl nicht besonders fundiert“. Nur die Verkehrsfachfrau der Grünen verschickte gestern eine Pressemeldung. Die Gründe, wieso Berlin so langsam sei, „sind simpel“, teilte Claudia Hämmerling darin mit: weil nämlich der Senat den öffentlichen Nahverkehr „so stiefmütterlich“ behandele. utz/Ha

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