Boxen : Mehr Babys und mehr Scheidungen

THORSTEN METZNER

Statistiker stellen 97er Trends für Brandenburg vorVON THORSTEN METZNER POTSDAM.Verzeichnet Brandenburg einen Baby-Boom? So weit wollte Brandenburgs Statistikchef Arend Steenken am Freitag zwar nicht gehen.Dennoch gehe der Geburtentrend mit 16 400 Neugeborenen im Jahr 1997 - rund 4000 Babys mehr als nach früheren Prognosen - weiter aufwärts."Die Brandenburger sind aus dem Knick gekommen", sagte Steenken, der den "Jahresbericht 1997" des Landesamtes für Datenverarbeitung vorstellte.Daß Brandenburgs Bevölkerung im Gegensatz zu Berlin weiter gewachsen ist, liegt aber auch an rund 44 000 Hauptstadt-Flüchtlingen und an rund 10 000 zumeist deutschstämmigen Einwanderern. Nach dem statistischen Jahresbericht 1997 zählt das Land Brandenburg jetzt 2,572 Millionen Einwohner - das sind 18 800 Märker mehr als 1996."Es ist der größte Zuwachs aller neuen Länder", sagte Steenken.Er bestätigte, daß die bisherigen Bevölkerungsprognosen für Brandenburg - sie waren ohnehin positiv - weiter nach oben korrigiert werden müssen.Der Geburten-Aufwind allein - die Quote ist immer noch nur etwa halb so hoch wie vor der Wende - wäre dafür jedoch nicht ausreichend: Denn den 16 400 Brandenburger Babys (1200 mehr als 1996) standen 26 800 Verstorbene gegenüber. Doch vor allem profitiert das Land weiterhin von Tausenden Neu-Bürgern aus Berlin, zumeist Häuslebauern, die sich mit ihren Familien im Speckgürtel niederlassen.So zogen allein 1997 rund 45 000 Berliner nach Brandenburg, das entspricht der Bevölkerung der märkischen Städte Neuruppin und Werder zusammen.Die Berliner machen damit den Mammutanteil der 69 000 Neu-Brandenburger aus, die es aus deutschen Landen in die Mark zog.In umgekehrter Richtung packten immerhin 51 000 Brandenburger die Koffer, um in andere deutsche Bundesländer zu ziehen, davon 17 000 nach Berlin.Weitere 16 000 Brandenburger zogen ins Ausland, während sich rund 27 000 Ausländer in Brandenburg niederließen - trotz der Schlagzeilen über rechtsradikale Gewaltakte. Das Gros derjenigen, die Brandenburg den Rücken kehren, zog laut Statistik nicht ins Ausland oder nach Berlin, sondern in die westlichen Bundesländer, vermutlich wegen besserer Jobchancen.Die offizielle Arbeitslosenquote Brandenburgs kletterte 1997 auf 18,9 Prozent (1996 rund 16,2 Prozent), wobei in den ausblutenden Krisenrand-Gebieten des Landes sogar 26-Prozent-Quoten die Regel sind.Die soziale Schere, auch dies verrät die Statistik, klafft auch in Brandenburg weiter auseinander: Von rund einer Million Privathaushalten (davon ein Drittel Singles) hat inzwischen jeder vierte monatlich mehr als 4000 Mark netto in der Kasse - während jeder achte Haushalt inzwischen mit weniger als 1400 Mark netto monatlich auskommen muß.Ob Streit ums Haushaltsgeld, die Entdeckung des westlichen Scheidungsrechtes durch die Brandenburger Frauen oder andere Gründe dafür verantwortlich sind, verrät die Statistik nicht: Fest steht, daß es 1997 in Brandenburg mit 5231 Scheidungen - rund 30 Prozent mehr als im Vorjahr - einen neuen Rekord gab.

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