Nahverkehr : Land will keine Strecken mehr stilllegen

Die Ausgaben für Nahverkehr sollen in den nächsten Jahren gleich bleiben – trotz Bevölkerungsrückgangs.

Thorsten Metzner

Potsdam In Brandenburg sollen trotz zurückgehender Bevölkerung mittelfristig weder Bahnstrecken stillgelegt noch Regionalzüge abbestellt werden. Das geht aus dem Landesnahverkehrsplan bis zum Jahr 2012 hervor, den Infrastrukturminister Reinhold Dellmann (SPD) am Dienstag dem Kabinett vorstellte. Nach seinen Worten sind derzeit in Brandenburg jeden Tag 144 000 Fahrgäste in Regionalzügen unterwegs, darunter viele Pendler nach Berlin (siehe Kasten). „Der Regionalverkehr in Brandenburg und Berlin ist nach externen Studien einer der besten in Europa“, betonte Dellmann. Ziel sei es, „auch schwach ausgelastete Strecken attraktiver zu machen, um noch mehr Fahrgäste auf die Schiene zu bringen“. Als Beispiele nannte er die Strecken Michendorf - Jüterbog und Frankfurt (Oder) - Eberswalde, wo Takte, Fahrpläne und Anschlüsse an Buslinien verbessert werden sollen. Verankert in dem Nahverkehrsplan ist auch die geplante Anbindung des künftigen Großflughafens BBI in Schönefeld, der von Berlin aus im 10-Minuten- Takt angefahren werden soll, von Potsdam aus im Ein-Stunden-Takt.

Grundsätzlich kündigte Dellmann an, dass das Land wie bisher jedes Jahr rund 400 Millionen Euro aus Bundeszuweisungen für den Regionalverkehr ausgeben wolle, dessen Kosten aus dem Ticketverkauf nur zur Hälfte gedeckt werden. Rund 80 Millionen Euro fließen jeweils in Investitionen, für 320 Millionen Euro bestellt das Land bei der Deutschen Bahn und anderen Unternehmen Verkehrsleistungen. Nachdem bereits 25 Prozent der Strecken im Wettbewerb vergeben worden sind, sollen nun weitere Verbindungen ausgeschrieben werden – ab 2012 etwa die lukrative Regionalexpresslinie 1 (RE 1) Magdeburg - Berlin - Frankfurt (Oder).

Dellmann stellte klar, dass er für die Bestellung zusätzlicher Züge – und damit neue Linien oder dichtere Taktzeiten – bis 2012 nur geringe Spielräume sieht. Dafür sollen auch kleinere Bahnhöfe – häufig heruntergekommene Schandflecke – attraktiver werden und „einen Mindeststandard an Service und Sicherheit für die Fahrgäste bieten“. So will das Land Geld dazu- geben, wenn auf einer Haltestation eine Infosäule mit Notruffunktion eingerichtet wird.

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