Boxen : Nicht alles, was fliegt, ist erlaubt

Für die Kunstflugstaffeln auf der ILA gelten strenge Sicherheitsregeln – unter Aufsicht der Bundeswehr

Rainer W. During

Schönefeld - Wenn es um die Flugsicherheit geht, macht Wolfram Cornelius keine Kompromisse. Der neue Flight Director der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung sitzt im obersten Stockwerk des Schönefelder Messeturms und weiß, wovon er spricht. Er hat 15 Jahre lang beim Marinefliegergeschwader am Steuerknüppel schneller Jets gesessen. Jetzt ist der 52-Jährige fliegerischer Veranstaltungsleiter der ILA und sein Wort ist für die Flugzeugführer Gesetz. Denn nicht alles, was geht, ist in Schönefeld erlaubt. So dürfen selbst die renommierten Kunstflugstaffeln am Wochenende nur ein abgespecktes, aber dennoch spektakuläres Programm zeigen.

Als erste Voraussetzung, damit sie überhaupt abheben dürfen, müssen die Piloten der Kunstflugstaffeln ihre Erfahrung auf den von ihnen geflogenen Flugzeugmustern nachweisen. Cornelius verlangt außerdem einen schriftlichen Nachweis darüber, wie oft sie das geplante Flugprogramm in den letzten 30 Tagen trainiert haben. Dann müssen die Piloten zum Abnahmeflug starten – morgens und abends, wenn die Besucher der ILA weg sind. Wenn Wolfram Cornelius Zweifel hat, müssen die Flieger ihr Showprogramm ändern. Denn die Sicherheit der Besucher stehe im Vordergrund.

Wenn sichergestellt ist, dass die Flieger ihr Programm beherrschen, gibt es noch eine Fülle weiterer Vorsichtsmaßnahmen. Um eine Katastrophe wie in Ramstein auszuschließen, wo 1988 ein Militärjet nach einer Kollision ins Publikum stürzte, müssen die Maschinen einen seitlichen Abstand zum Publikum halten, der mindestens 100 Meter beträgt, für schnelle Militärjets gelten 350 Meter.

Als optische Orientierungshilfe wurde nördlich der Südlandebahn ein Grasstreifen gemäht und mit gelber Farbe markiert. Für Flugmanöver von Hochleistungs-Kampfflugzeugen existiert eine spezielle, vom Zuschauerbereich wegführende Route. Die Mindestflughöhe beträgt 150 Meter für Jets und 100 Meter für Propellerflugzeuge und Hubschrauber.

Die Vorführungen der kleineren Maschinen werden ausschließlich im Bereich südlich der Südbahn stattfinden. Die so genannten ILA-Ohren östlich von Selchow und nördlich von Waltersdorf dienen den Kurven für den Kurswechsel.

Dadurch kann der normale Luftverkehr parallel auf der Nordbahn abgewickelt werden. Für größere und schnellere Flugzeuge wird das Vorführgebiet bis etwa zur südlichen Stadtgrenze Berlins erweitert. Im Westen endet der Bereich kurz vor Mahlow, im Osten wurde er so gelegt, dass Bohnsdorf und Schulzendorf weitgehend vom Fluglärm verschont bleiben. Nur für die Auftritte der Flugstaffeln am Wochenende wird vorsorglich die gesamte Kontrollzone des Flughafens Schönefeld reserviert, die von Ludwigsfeld bis Erkner und von Zeuthen bis in die südöstlichen Randbezirke Berlins reicht.

Bei der Überwachung der Regeln hilft die Bundeswehr. Sie hat während der ILA in Schönefeld ein Skyguide-Radarsystem stationiert, das Geschwindigkeit, Höhe und Kurs der Maschinen exakt aufzeichnet. Wer sich nicht an die Regeln hält, kann sich hinterher nicht herausreden, Abweichungen lassen sich minutiös nachweisen. Je nach Schwere des Verstoßes zeigt Cornelius die gelbe Karte. Wer dann nicht spurt, bleibt für den Rest der Show am Boden.

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