Boxen : Palmenstrand am Ufer der Oder

In Frankfurt wurde der deutsch-polnische „Europagarten“ auf der Insel Ziegenwerder eröffnet

Claus-Dieter Steyer

Frankfurt (Oder). Strandkörbe, feiner Sand, Liegen zum Ausruhen – und dazu große Palmen und Wasserrauschen: Die Illusion von mediterraner Stimmung am Frankfurter Oder-Ufer ist fast perfekt. Doch schon beim Blick nach rechts und links über den Strand werden die Gäste auf den Boden der kühlen Tatsachen zurückgeholt. Schwarz- rot-goldene Grenzpfosten markieren hier das Ende von Deutschland. An dieser Stelle wenigstens ist es ein landschaftlich reizvoller Fleck. Die Oder-Insel Ziegenwerder trägt seit Freitag schließlich den anspruchsvollen Namen „Europagarten 2003“.

Frankfurts südfranzösische Partnerstadt Nimes hat die Palmen dafür spendiert. Der Spaziergänger findet auf dem 20 Hektar großen lang gestreckt Eiland in der Oder aber auch Gewächshäuser mit Pflanzen vom ganzen Kontinent, ein Heckentheater, einen Naturlehrpfad, eine Freilichtbühne, Blumenrabatten und einen Abenteuerspielplatz.

Bis vor einem Jahr hieß das Projekt noch „Europagartenschau“. Frankfurt und das am polnischen Ufer gelegene Slubice, bis 1945 die Frankfurter Dammvorstadt, sollten ein völlig neues Gesicht bekommen. Als Höhepunkt war eine Seilbahn zwischen den beiden Grenzstädten geplant. Nun ist von der Gartenschau nur noch ein Garten übrig geblieben, der allerdings trotz des abgespeckten Projektes noch viel Geld kostete. 17 Millionen Euro, davon 7,4 Millionen aus dem Haushalt der EU, wurden für das „Modellprojekt für grenzüberschreitendes Zusammenwachsen“ auf Ziegenwerder und an weiteren zwölf Plätzen und Parks in Frankfurt verbaut. Dazu kommen weitere, vorrangig von der EU bezahlte Investitionen in Slubice.

Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) verteidigte bei der Eröffnung des „Europagartens 2003“ die in der Region durchaus umstrittenen Ausgaben. „In beiden Grenzorten hat sich die Blickrichtung durch das gemeinsame Projekt geändert“, sagte Platzeck. „Man schaut an beiden Ufern nicht mehr weg vom Fluss – sondern sich in die Augen.“ Das sei gerade in Hinblick auf den EU-Beitritt Polens bedeutsam. Auch Frankfurts Oberbürgermeister Martin Patzelt (CDU) wehrte sich gegen den Vorwurf von einer Fehlinvestition in den Garten: Bis in den Oktober hinein fänden hier viele Veranstaltungen statt, auf denen sich Deutsche und Polen begegnen würden. Bis zu 200 000 Besucher würden erwartet. Durch die Umgestaltung der ehemals unansehnlichen Insel Ziegenwerder, der Oderpromenade, des Lennéparks oder des Frankfurter Marktplatzes fänden Einwohner und Gäste viele „Orte der Muße und der Erholung“.

Der Palmenstrand liegt am Ort einer früheren Badeanstalt auf der Insel. Bis in die fünfziger Jahre hinein stürzten sich hier Frankfurter an warmen Tagen zur Abkühlung in die Oder. Dann nahm die Verschmutzung durch die Industrie sprunghaft zu. Inzwischen kann wenigstens der Fisch aus der Oder wieder ohne Bedenken genossen werden. Das Baden ist von den Gesundheitsbehörden jedoch noch nicht freigegeben worden. Der Name Ziegenwerder stammt von den hier einst gehüteten Tieren. Zwischen den üppigen Weiden, die auch Korbmacher sehr schätzten, fanden sie auf den Wiesen gutes Futter.

Die Insel Ziegenwerder ist bis zum 5. Oktober täglich von 9 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet. Erwachsene zahlen 5 Euro Eintritt. An den wenigen Tagen ohne Bühnenprogramm kosten die Karten 3 Euro. Informationen unter Telefon 0335/40 10 0 und im Internet unter www.europagarten2003.de

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