Boxen : Polizisten unter Verdacht

Beamte sollen Verhaftete misshandelt haben

Peter Tiede

Potsdam/Eberswalde - Brandenburg steht offenbar vor einem schweren Polizeiskandal: Zwei leitende Beamte der Polizeiwache Ludwigsfelde stehen im Verdacht, mehrfach Verhaftete in der Wache misshandelt zu haben. Staatsanwaltschaft und Polizeipräsidium Potsdam sowie das Landeskriminalamt (LKA) Brandenburg in Eberswalde gaben gestern bekannt, dass sie gegen zwei Polizisten der Wache wegen gefährlicher Körperverletzungen beziehungsweise Körperverletzung im Amt in vier Fällen ermitteln. Die Misshandlungen sollen zwischen „Sommer 2006 und Sommer 2007“ erfolgt sein. Besonders brisant: Die Vorwürfe kommen aus den eigenen Reihen.

Bei den beiden Verdächtigen handelt es sich um einen Dienstgruppenleiter und einen ihm unterstellten Wachenführer. Die Straftaten sollen sie gemeinsam begangen haben. Aus der Polizeiführung hieß es, es sei wahrscheinlich, dass noch mehr Verfahren gegen Beamte der Ludwigsfelder Dienstgruppe eingeleitet werden müssten – entweder, weil sie an den Straftaten beteiligt waren oder diese deckten.

Aus dem Innenministerium hieß es gestern, man gehe davon aus, dass zumindest ein Großteil der Vorwürfe zutreffe; auf ganz Brandenburg bezogen handle es sich aber um Einzelfälle. Die Beamten der betreffenden Dienstgruppe würden in unterschiedliche andere Wachen versetzt: diese Gruppe wird so nicht weiter existieren“, sagte ein hoher Polizeibeamter.

Die beiden beschuldigten Polizisten sollen im Polizeigewahrsam „übermäßig Gewalt“ angewandt haben. So seien Personen, die im Gewahrsam etwa randalierten, nicht einfach nur gefesselt worden – sie seien geschlagen, regelrecht misshandelt worden. In mindestens einem Fall soll einem Verhafteten der Kopf mehrfach gegen eine Wand geschlagen worden sein. Bei allen Opfern handle es sich um „Personen aus sozialen Randgruppen“. Von den angeblichen, namentlich bekannten vier Opfern lägen keine Anzeigen vor, hieß es. Sie würden nun vernommen.

Zur Motivation des Anzeigenerstatters gab es unterschiedliche Aussagen: Er habe ein Problem mit seinem Dienstgruppenleiter gehabt, Rache spiele wohl eine Rolle, hieß es einerseits. Andererseits teilten Ermittler mit, der Beamte sei längere Zeit dienstunfähig gewesen – unter anderem nach privaten Trauerfällen. Nach seiner Rückkehr habe er eventuell reinen Tisch machen wollen. Peter Tiede

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