Protokollstrecke nach Wandlitz : Aus für Honeckers Piste

Die alte Protokollstrecke von der Autobahn zur Wohnsiedlung Wandlitz ist jetzt Bundesstraße.

Claus-Dieter Steyer
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Ade Politbürostrecke. -Foto: Archiv

WANDLITZ – Unter einer Unmenge von Asphalt ist ein weiteres Relikt aus DDR-Zeiten verschwunden: die vierspurige Protokollstrecke von der Autobahnausfahrt Wandlitz bis zur Bundesstraße 109 im Norden Berlins. Ihren Namen erhielt die 5,5 Kilometer lange Betonpiste durch die an ihr gelegene Wohnsiedlung für die Politbüro-Mitglieder des ZK der SED. Honecker, Stoph, Krenz, Schabowski & Co. donnerten auf ihr vom Anfang der sechziger Jahre bis Dezember 1989 entlang, um schnell vom ZK-Gebäude in Berlin-Mitte zum abgeschirmten Areal bei Wandlitz zu gelangen.

In mehr als vierjähriger Bauzeit wurde nun die Autobahn beseitigt. Die neue Bundesstraße 273 unterscheidet sich dennoch von anderen Brandenburger Straßen, erhielt sie doch von vornherein einen Radweg und vor allem rund 160 Parkplätze im mittleren Abschnitt. Sie sind für die Besucher des nahen Liepnitzsees bestimmt, der zu den schönsten Badegewässern im Berliner Umland gehört.

Doch gerade die Idylle war hier bisher durch den Krach von der Autobahnpiste arg getrübt. „Der Lärmpegel war manchmal unerträglich“, sagte Verkehrsminister Reinhold Dellmann (SPD) bei der gestrigen Freigabe der Straße. „Ich weiß, wovon ich rede, ich wohne im nahen Wandlitz.“ Auch die Patienten in der aus der Politbüro-Siedlung entstandenen Brandenburg-Klinik können nun aufatmen.

Der Krach lag vor allem an den hohen Stößen zwischen den Betonplatten. In heißen Sommern kam es sogar zu so starken Verwerfungen, dass eine Spur gesperrt werden musste. Einzelne Platten hatten sich damals um mehrere Zentimeter angehoben. Eine ähnlich laute Betonpiste liegt noch auf der Zufahrtsstraße zum Flughafen Schönefeld hinter dem S-Bahnhof Altglienicke. Auch hier wurde der Untergrund vor fast 50 Jahren ungenügend verfestigt, so dass sich die Platten immer wieder bewegen. Rollen Fahrzeuge darüber, kommt es zu den Poltergeräuschen.

Den Rückbau der ursprünglich 15 Meter breiten Fahrbahn der Protokollstrecke bei Wandlitz auf eine Breite von nur noch 7,50 Meter hatten vor allem die betroffenen Kommunen verlangt. Sie setzten auch die Geschwindigkeitsbeschränkung auf einem großen Teilstück auf Tempo 50 sowie den Bau einer Ampelanlage und eines Kreisverkehrs durch. Zuletzt hatte das ungeordnete Parken beiderseits der Straße erhebliche Gefahren ausgelöst. Nun fehlt nur noch der Neubau der Brücke über die Heidekrautbahn, der im nächsten Jahr beginnen soll.

Spektakuläre Ereignisse gab es auf der alten Protokollstrecke nicht. Der einzige ernsthafte Zwischenfall spielte sich am Silvestertag 1982 ein Stück weiter an der B 109 bei Klosterfelde ab. Ein Ofensetzer hatte damals der Wagenkolonne Honeckers die Vorfahrt genommen und bei der späteren Kontrolle einen Sicherheitsbeamten durch den Schuss aus einer Pistole schwer verletzt. An der Protokollstrecke hat es so einen Vorfall, der später zum „Honecker-Attentat“ hochgespielt wurde, nie gegeben. Zwischen der Autobahn und der Wohnsiedlung gab es keine Zu- und Abfahrten. CLAUS-DIETER STEYER

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