Boxen : Ravensbrück: In Kürze Baubeginn für Begegnungsstätte

An der Gedenkstätte des früheren Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück entsteht bis 2002 eine Jugendbegegnungsstätte mit mehr als 100 Übernachtungsplätzen. Baubeginn für das 12,5 Millionen Mark teure Projekt ist noch im Dezember, teilte Brandenburgs Bildungsminister Steffen Reiche (SPD) am Dienstag mit. Acht frühere Wohnhäuser von SS-Aufseherinnen würden dafür auf dem Areal am Stadtrand von Fürstenberg (Oberhavel) umgebaut. Bauherr ist das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH). Die Eröffnung sei für den Jahrestag der Befreiung des größten Frauen-KZs am 28. April 2002 vorgesehen.

Polnische Häftlingsfrauen hätten seinerzeit kurz vor der Befreiung in einem Testament gewünscht, dass aus den SS-Wohnhäusern ein Ort der Bildung und Begegnung für Jugend und Frauen werden solle, sagte Reiche. Mit dem Umbau werde dieses Vermächtnis erfüllt. Die Einrichtung solle Jugendgruppen, Schulklassen, aber auch Einzeltouristen offen stehen.

"Wir brauchen in Deutschland kein Holocaust-Museum, weil wir die Orte der Täter und der Verbrechen haben", sagte Reiche. "An diesen Orten muss aufgearbeitet und nachgedacht werden." An der Finanzierung der Baumaßnahmen seien das Land, der Bund, die EU und das DJH beteiligt.

Das Projekt umfasst drei Übernachtungshäuser, ein Verpflegungshaus und ein Aufenthaltsgebäude in Trägerschaft des DJH. Für 2003 wird bereits mit 13 000 Übernachtungen gerechnet. Für die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten entstehen ein Seminar- sowie ein Museumsgebäude. Ein Haus wurde schon vom Amt Fürstenberg für die Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis e.V. saniert.

Von der Wohnsiedlung der SS und der Aufseherinnen in der Nähe der Gedenkstätte sind 23 Häuser erhalten. Im KZ Ravensbrück waren von 1939 bis 1945 rund 133 000 Frauen und Kinder sowie 20 000 Männer inhaftiert. Zehntausende kamen ums Leben.

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