Boxen : Schatzsuche im Lehm

In Marwitz wurde fürs Fernsehen Schliemanns Troja nachgebaut

Sabine Schicketanz

Marwitz - Der Schliemann von Marwitz ist ein schlanker, junger Mann. Noch vor kurzem war er Student an der Technischen Universität Berlin. Jetzt ist David Scheunemann der Entdecker einer sagenhaften Stadt: Im Dorf Marwitz bei Velten hat er Troja gefunden, verborgen unter einem Hügel. Seit Ende Mai ist dieser weggebaggert – für eine einmalige Filmkulisse: die Schliemann-Grabungsstätte in der Türkei, nachgebaut auf dem Südzipfel einer geologischen Formation, der deutschen Tonstraße. Ab heute wird dort für fünf Wochen der zweiteilige Sat.1-Film über Heinrich Schliemann gedreht. Arbeitstitel: „Auf der Jagd nach dem Schatz von Troja“. Die Hauptrolle spielt Heino Ferch.

Den Drehort fand David Scheunemann, 28 Jahre alt, Architekt, mit Hilfe geologischer Karten und Satellitenbilder. Er hatte einen Ort mit lehmigem, festem Boden gesucht. In den sollte das neue Troja hineingebaut werden – diese Idee hatte Filmarchitekt Albrecht Konrad. Nach einer Begehung mit einem Geologen fiel die Wahl auf die Wiese.

Deren Anblick löste bei Dierk Grahlow „allerhand Bauchdrehen“ aus. Der 49-Jährige ist seit 25 Jahren Kulissenbauer bei Studio Babelsberg. Er war dabei, als für „Enemy at the Gates“ der Lausitzer Tagebau geflutet wurde, verantwortete Bauten für die in Berlin und Potsdam gedrehten Hollywood-Filme „Die Bourne-Verschwörung“, „Aeon Flux“ und „V wie Vendetta“. Aber ein Filmset in die Erde gebuddelt hatte Grahlow noch nie. Dennoch: Er rechnete, plante – und gewann mit dem Babelsberger Art Department die Ausschreibung der Firma „Teamworx“, die den Troja-Film produziert.

Seit Ende Mai schufteten „Construction Manager“ Grahlow und seine Leute zehn Wochen lang, 30 bis 40 Mann waren beschäftigt. Was sie geschaffen haben, sieht täuschend echt aus – nur die Einfamilienhäuser, die knapp über die meterhohen Sandberge ragen, brechen das Bild. Das Erdreich wurde nicht abtransportiert, sondern um das längliche Loch, 135 Meter lang, 50 Meter breit, geschichtet. In die Lehmwände haben die Babelsberger Kulissenbauer nach Modellen und Fotovorlagen der Ausgrabungsstätte in Troja 1000 Quadratmeter Steine eingekratzt. „Das war ein extrem harter Job“, sagt Grahlow. Denn dabei, die Steine so zu formen, wie Schliemann sie einst freilegte, hilft keine Maschine.

Mit Kratzer und Meißel rückten die Kulissenbauer dem Lehm zu Leibe. „Die Stukkateure haben die Grundstruktur geschaffen, die Bildhauer die Feinarbeiten gemacht und die Maler die Farbgebung.“ Fertig sehen die Lehmsteine aus, als lägen sie schon Jahrhunderte dort. 600 Meter muss zurücklegen, wer den Schliemann-Graben von Marwitz innen umrunden will – und immer wieder erheben sich kolossale Mauern aus dem Sand.

Doch auch diese sind vergänglich. Nicht nur, weil zu viel Regen den Lehm lösen könnte. Der vom Filmteam gepachtete Troja-Hügel soll vier Wochen nach Drehschluss wieder aussehen wie vorher. „Alles wird zugeschüttet“, sagt Grahlow. „Aber wenn hier in 100 Jahren mal einer buddelt und die Lehmsteine findet, denkt er vielleicht, er hat Troja gefunden.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar