Boxen : „Schönbohms Vorwürfe sind verletzend“

Bischof Huber über die Kritik des CDU-Innenministers und Politiker-Auftritte bei Jugendweihen

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Vor einer Woche hielt Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) die Festrede auf einer Jugendweihefeier in Wittenberge. Wolfgang Huber, Bischof von Berlin und Brandenburg und Ratsvorsitzender der EKD, kritisierte Schönbohm: Mit solch einem Auftritt werde die weltanschauliche Neutralität des Staates verletzt. Schönbohm warf daraufhin Huber vor, parteipolitisch zu handeln und nur Sonntagsreden zu halten. Außerdem habe er Huber angeboten, ein Grußwort des Bischofs auf der Feier vorzulesen.

Warum haben Sie es abgelehnt, für die Jugendfeier ein Grußwort zu schreiben?

Ich wehre mich dagegen, dass Jugendweihen staatliche Autorität verliehen wird. Das kann ich nicht durch ein Grußwort unterstützen. Jugendfeiern sind eine Realität, aber der Öffentlichkeit muss klar sein, dass Konfirmationen und Jugendweihen etwas Unterschiedliches sind.

Aber ist es nicht besser, man spricht mit Jugendlichen bei einer solchen Feier über Werte als gar nicht?

Mit Jugendlichen über Werte zu sprechen, ist gut; und wenn beispielsweise Richard Schröder bei einem solchen Anlass redet, habe ich nichts dagegen. Aber das muss ja nicht gerade durch den stellvertretenden Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg geschehen. Er vertritt unseren Staat. Es gibt immer noch die Tradition, dass die Jugendweihen klassenweise organisiert werden. Viele Schüler stehen unter dem Druck, daran teilzunehmen. Das ist nicht in Ordnung. Deshalb muss klar sein, dass das keine staatliche Veranstaltung ist.

Schönbohm sagt, er habe vorher mit Ihnen über seinen Auftritt gesprochen. Haben Sie ihm Ihre Argumente nicht dargelegt?

Er hat mir am Rande einer Veranstaltung zum Unabhängigkeitstag des Staates Israel davon erzählt. Da war keine Zeit für ausführliche Erklärungen. Ich habe ihm deutlich gemacht, dass ich seine Teilnahme ablehne. Es gab auch das Angebot, das näher zu erläutern. Davon hat er keinen Gebrauch gemacht.

Schönbohm wirft Ihnen vor, sich parteipolitisch zu verhalten. Sie würden zwar ihn als CDU-Minister kritisieren, nicht aber SPD-Minister Steffen Reiche.

Das stimmt nicht. Ich wende mich gegen solche Auftritte von Regierungsmitgliedern ohne Ansehen von Partei und Person. Hätte sich Schönbohm erkundigt, wüsste er, dass ich bisher sogar überwiegend SPD-Politiker für ihre Reden bei Jugendweihen kritisiert habe, natürlich auch Steffen Reiche und Ex-Ministerin Angelika Peters (SPD). Als ich gehört habe, dass Reiche demnächst wieder einen Jugendweihe-Auftritt plant, habe ich sofort reagiert – genau im selben Sinn wie gegenüber Schönbohm. Ich hoffe, dass es zu dem Auftritt nicht kommt. Von parteilicher Voreingenommenheit habe ich mich in meinem Bischofsamt noch nie leiten lassen. In die Irre geht auch Schönbohms Vorwurf, ich hätte 1999 bei den Brandenburger Koalitionsverhandlungen nicht für den Religionsunterricht gekämpft.

Damals habe die CDU ganz alleine dagestanden, sagt Schönbohm.

Das ist absurd. Es war umgekehrt. Wir haben gegenüber den Koalitionspartnern darauf gedrungen, Klarheit im Religionsunterricht zu schaffen. Aber Schönbohm hat sich dem entzogen. Er sehe keine Möglichkeit, den Religionsunterricht als ordentliches Unterrichtsfach durchzusetzen, hat er damals gesagt. In den zehn Jahren, die ich jetzt Bischof bin, werden Sie keinen Monat finden, in dem ich nicht für den Religionsunterricht gekämpft habe. Mit „Sonntagsreden“ hat das nichts zu tun. Schönbohms Vorwürfe sind ungerecht und verletzend. Ich bin gespannt, was er bei den nächsten Koalitionsverhandlungen für den Religionsunterricht tun wird.

Die Fronten scheinen verhärtet zu sein.

Beim Religionsunterricht sind wir uns in der Sache ja einig. Bisher war das auch im Blick auf die Jugendweihe so. Dass er seine Position geändert hat, ist überraschend. Darüber führe ich mit ihm gern ein Gespräch. Das Angebot besteht nach wie vor. Seine Rede in Wittenberge habe ich mittlerweile mit Respekt gelesen. Aber dass er, der stellvertretende Ministerpräsident, dort aufgetreten ist, finde ich nach wie vor falsch.

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