Schönfließ : Todesschüsse: Gutachten entlastet Polizisten

Todesschüsse von Schönfließ: Zwei der Strafvereitelung beschuldigte Beamte hatten sich nach der Tötung des Intensivtäters Denis J. auf den Silvesterlärm berufen. Ein Gutachten stützt ihre Version.

Alexander Fröhlich

Schönfließ - Im Fall des in der Silvesternacht im brandenburgischen Schönfließ (Oberhavel) von einem Berliner Zivilpolizisten erschossenen Intensivtäters Denis J. soll ein neues Gutachten zwei Kollegen des Schützen entlasten. In der Expertise geht es um die Frage, ob die Beamten akustisch zwischen Böllern und Schüssen unterscheiden konnten.

Alle drei Zivilpolizisten hatten versucht, den damals per Haftbefehl gesuchten 26-jährigen Dennis J. – auf sein Konto gingen knapp 160 Straftaten von Einbruch bis zu gefährlicher Körperverletzung – in Berlin festzunehmen. In Schönfließ soll der Hauptbeschuldigte, ein 35-jähriger Beamter, schließlich aus kurzer Distanz mehrfach auf den im Wagen sitzenden Straftäter geschossen und diesen tödlich verletzt haben. Bislang sah die Staatsanwaltschaft Neuruppin die Schüsse durch nichts gerechtfertigt, es habe keine Notwehrsituation gegeben.

Der Polizist steht weiterhin unter Totschlagsverdacht, ein Haftbefehl wurde aber wieder aufgehoben. Gegen seine beiden Kollegen ermittelt die Staatsanwaltschaft Neuruppin außerdem wegen Verdachts der Strafvereitelung im Amt. Ihnen wird vorgeworfen, „in den Vernehmungen in der Tatnacht und bei der Rekonstruktion zugunsten ihres Kollegen Wissen über den Tathergang zurückgehalten zu haben“. In einer ersten Aussage hatten sie erklärt, die Schüsse ihres Kollegen hätte sie wegen des Lärms von Böllern nicht gehört. Später verweigerten sie die Auskunft.

Die Staatsanwaltschaft ließ diese Version gründlich prüfen. Im Mai stellte das brandenburgische LKA die Situation aufwendig nach – mit mehreren Testpersonen, baugleichem Dienstwagen mit laufendem Motor und Dienstgesprächen am Telefon. Das neuerliche Gutachten kommt aber zu keinem klaren Ergebnis – was die Beschuldigten nun entlasten könnte.

Demnach könne nicht davon ausgegangen werden, dass die Beamten in der Lage waren, die Schussgeräusche von den Detonationen angeblicher Silvesterböller zu unterscheiden.

Andere Zeugen widersprachen dieser Version bereits kurz nach der Tat. So will nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft eine Polizistin, die zur Tatzeit mit einem ihrer drei Kollegen telefonierte, im Hintergrund Schüsse gehört haben.

Die Neuruppiner Staatsanwältin Lolita Lodenkämper wollte das Gutachten nicht kommentieren. „Das ist nicht der einzige Aspekt, es gibt auch andere“, sagte sie lediglich. Offiziell dauern die Ermittlungen noch an, in rund vier Wochen könnten sie beendet sein, hieß es.

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