Boxen : Schwitzen statt baden im „Blub“ Brandenburg greift nach den Sternen

Der geplante Umbau lässt auf sich warten Die Firma Rapid Eye will Satelliten ins Weltall schießen, um geologische Informationen zu sammeln

Matthias Matern

Es klang so hoffnungsvoll: „Blub“-Geschäftsführer Harald Frisch wollte das bis auf die Saunalandschaft „Al Andalus“ stillgelegte Bad an der Buschkrugallee nach einem Umbau zum „neuen Highlight für Neukölln“ machen. Mit Solebad, Wellness, zwei Schwimmbahnen. Fünf Millionen Euro sollten investiert werden. Die Ankündigung ist fast drei Jahre her. Der Name „Blub“ ist zwar getilgt, aber das einstige Britzer „Badeparadies“ ist bis auf die Sauna noch immer gesperrt, die Finanzierung möglicher Umbauten nicht gesichert. „Wir bemühen uns weiter“, sagt Frisch. Nach einem wiederum neuen Konzept solle die Halle zu einem großen Teil als erweiterte Sauna genutzt werden. Auch eine Indoor- Kinderspielwelt sei geplant. Er spreche darüber mit Investoren, Termine für Umbauten könne er noch nicht nennen.

Nach der Schließung habe die mittlerweile über 22 Jahre alte Halle keinen Schaden genommen, versichert Frisch. Die Temperatur werde auf fünf Grad gehalten. „Der bauliche Zustand ist einwandfrei.“ Fürs Baden aber werde die Halle nicht mehr geöffnet. Seiner Ansicht nach lässt die „total veränderte soziale Struktur“ der Umgebung und das „Aggressionspotenzial“ einiger Jugendlicher einen Badebetrieb wie früher nicht mehr zu. Mit dem auf die Sauna begrenzten Betrieb sei Kundschaft gehalten, auch neue gewonnen worden. „Im Augenblick sind wir sehr zufrieden, wir können lange durchhalten.“ Aber es sei eben ein „Rumpfgeschäft“, das mache sich bemerkbar. Man sei bemüht, die Kosten für die gesamte Anlage im Griff zu behalten. Das große Grundstück, vom Land in Erbbaurecht gepachtet, sei Teil des Problems. Das Gelände mit Außenanlagen und riesigem Parkplatz könne nicht wirtschaftlich genutzt werden. Das „Parkhotel Blub“, einst als Ergänzung des Bades gebaut, gehört nicht mehr zu dem Komplex.

Als das Bad Anfang 2005 geschlossen wurde, war von mindestens zwölfmonatigen Umbauarbeiten die Rede. Danach sollte es – wie der modernisierte Sauna- Bereich – den Namen „Al Andalus“ erhalten. Ans alte „Blub“ sollte nichts mehr erinnern. Das ursprüngliche Konzept des Badebereiches mit seinen Rutschen habe in Größe, Gestaltung und Angebot nicht mehr heutigen Anforderungen entsprochen, hieß es. Bis dahin hatte das 1985 eröffnete erste private Spaßbad Berlins rund sieben Millionen Besucher gezählt, allein im ersten Jahr etwa 600 000. Nach dem grandiosen Start zeigte sich in den folgenden Jahren Sanierungsbedarf, und viele Gäste blieben aus, nachdem der Badebereich einmal wegen hygienischer Mängel vorübergehend geschlossen worden war. Schon 2002 hatte das „Blub“ Investitionen in Höhe von fünf Millionen Euro angekündigt. C. v. L.

Brandenburg/Havel - Mit einem weltweit einzigartigen Vorhaben könnte ein Unternehmen aus Brandenburg demnächst ein Stück Raumfahrtgeschichte schreiben. Fünf mit Kameras bestückte Satelliten will die Firma Rapid Eye aus Brandenburg an der Havel im kommenden Frühjahr ins Weltall schicken. Auf ihrer Umlaufbahn in rund 630 Kilometern Höhe sollen sie rund um die Uhr detailgenaue Bilder von der Erde machen und so wertvolle Informationen vor allem für Kunden in Forst- und Landwirtschaft liefern. Zum Einsatz kommen könnte die neue Technik aber auch zur Überwachung von Umweltvereinbarungen oder bei Naturkatastrophen.

Bislang hat die Sternenmission „made in Brandenburg“ vor allem Geld gekostet. Die Investitionssumme liege bei knapp 160 Millionen Euro, sagt Wolfgang Biedermann, Vorstandvorsitzender von Rapid Eye. Gefördert wird das Projekt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt mit 14,7 Millionen Euro und mit 37 Millionen Euro durch das Land Brandenburg. Seit drei Jahren hat die Firma ihren Sitz an der Havel und beschäftigt mittlerweile rund 70 Mitarbeiter. Geplant sind rund 140. „Wir betrachten uns als internationalen Dienstleister für Geoinformationen“, beschreibt Biedermann das Profil. Nur knapp zehn Prozent des erwarteten Umsatzes würden voraussichtlich in Deutschland erwirtschaftet. Das mögliche Kundenspektrum reicht von großen landwirtschaftlichen Betrieben über Düngemittelproduzenten bis hin zu Unternehmen der Rohstoffförderung.

Fünf aufeinander abgestimmte Satelliten gleichzeitig ins All zu schicken, bezeichnet Biedermann als „weltweit einzigartig“. Üblich seien einzelne Satelliten. Jeweils 15-mal am Tag sollen die im Auftrag von Rapid Eye in Großbritannien gebauten Himmelskörper um die Erde kreisen und dabei gestochen scharfe und hoch aufgelöste Aufnahmen liefern. Diese Frequenz gewährleiste eine hohe Aktualität. „Aber im Grunde sind es herkömmliche Digitalfotos“, sagt der Firmenchef. Am Boden würden die Bilder dann je nach Kundenwunsch ausgewertet. Durch den Vergleich mehrerer zeitlich versetzter Aufnahmen von ein und demselben Gebiet sei es etwa möglich, genaue Erkenntnisse über die Entwicklung einzelner Pflanzenarten zu gewinnen, Wachstumsstörungen festzustellen und so Prognosen für die Ernteplanung zu geben. Versicherungen könnten die Rundumüberwachung des Planeten für Schadensberechnungen nutzen, staatliche und internationale Einrichtungen anhand der Bilder Umweltvereinbarungen kontrollieren oder Katastrophenhilfe koordinieren.

Mit dem Countdown rechnet Biedermann für Ende April oder Anfang Mai. Eigentlich sollten die Satelliten seit November im Orbit kreisen, doch wurde der Start verschoben. Ursache war ein Defekt der sogenannten Sternsensoren. „Wir haben den Fehler lokalisiert. Im Januar wird das Problem behoben sein“, versichert Biedermann. Wichtig sind die Sternsensoren für die Positionsbestimmung der Satelliten. „Das funktioniert ähnlich wie bei den alten Seefahrern. Die haben sich auch an den Sternen orientiert.“ Bei defekten Sensoren sei der Satellit zwar nicht vollkommen orientierungslos, die gelieferten Informationen aber seien unbrauchbar. Größere Sorgen bereite ihm der verpatzte Start nicht, versichert Biedermann, doch sei mit Folgekosten zu rechnen.

Den Weg ins All sollen die Satelliten mit einer russischen Interkontinentalrakete der Reihe SS18 zurücklegen. Gestartet wird vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan oder vom russischen Jazny. Genaueres wisse er leider nicht, sagt Biedermann. „Mit der Planung ist ein amerikanischer Generalunternehmer mit einer Niederlassung in England beauftragt.“

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