Boxen : "Seebad-Casino": Ohne Roulette aber mit Strandkorb

Claus-Dieter Steyer

Wo "Kasino" dransteht, ist nicht in jedem Fall ein Kasino drin. Diese Warnung sei jenen Spielern und Zockern gegeben, die sich vom Namen des Ausflugshotels am Rangsdorfer See, südlich Berlins, angelockt fühlen. Das vor einigen Tagen eröffnete "Seebad-Casino" übernahm nur den Namen des 1997 abgebrannten Vorgängers. Dieses Lokal stammte aus den zwanziger Jahren, als der Begriff "Casino" noch nicht unbedingt mit Roulette und anderen Spielen in Verbindung gebracht wurde. Er war damals einfach ein Synonym für Lokal, wie ältere Gäste auf der Terrasse bestätigten.

Es war beim Besuch dennoch erstaunlich, wie viele Besucher des neuen Restaurants die Adresse noch von früher kannten. Schon vor dem Krieg und bis in die fünfziger Jahre hinein seien vor allem Berliner aus Lichtenrade, Marienfelde und Mariendorf in großer Zahl und zu jeder Jahreszeit nach Rangsdorf zur Erholung gefahren, hieß es von mehreren Zeitzeugen. Auf die Wiederbelebung dieser Tradition hofft die aus dem Ruhrgebiet stammende Familie Glendenberg, die das 25 Millionen Mark teure Hotel nach ihren eigenen Vorstellungen bauen ließ. Der Zufall machte Vater, Mutter und Sohn zu Hoteliers. Denn eigentlich suchten sie nur ein Grundstück für das 63-jährige Familienoberhaupt, das in Rangsdorf geboren worden war. Zu dieser Zeit lief gerade die Ausschreibung der Gemeinde für das alte Seebad-Casino, dessen vormaliger Betreiber in die Pleite gerutscht war. Familie Glendenberg erhielt den Zuschlag; das neue Haus wurde innerhalb eines Jahres hochgezogen.

Der große Trumpf ist natürlich die Terrasse direkt am See. Im dahinter liegenden Restaurant kommen nicht nur die unmittelbar am Fenster sitzenden Gäste in den Genuss des Sonnenuntergangs oder der Beobachtung unzähliger Kraniche und Wildgänse. Vier Stufen ermöglichen auch den im hinteren Restaurantteil sitzenden Besuchern einen Blick über die Köpfe der anderen Gäste in Richtung See. Das "Seebad-Casino" ist außerdem das Standesamt der Gemeinde.

Der Strandkorb im Foyer ist nicht nur ein schmückendes Ausstellungsstück, sondern der Hinweis auf die benachbarte Badeanstalt. Sie gehört zum Hotel und kann von jedermann bei freiem Eintritt genutzt werden. Auf einer Bühne sollen hier regelmäßig Konzerte stattfinden. Noch nicht ganz fertig sind der Wellness-Bereich mit mehrerem Saunen sowie die Festhalle für 700 Besucher. In zwei Wochen soll es soweit sein. Dann wird auch die Bowlingbahn im Stil der untergegangenen Titanic eröffnet. Ton- und Lichteffekte sollen dem Gast das Gefühl vermitteln, tatsächlich unter Wasser zu sein.

Die Küche bietet vor allem heimische Kost. Die reicht vom Havelzander und Brandenburger Welsfilet (jeweils 27 Mark) über den Rangsdorfer Bauernschmaus mit verschiedenen Braten (24 Mark) bis zum Hirschbraten für 27 Mark. Favorit in diesen Tagen aber ist zweifellos die umfangreiche Eiskarte.

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