Städte-Ranking : Potsdam zieht an

Die zweitkleinste deutsche Landeshauptstadt hat die höchste Geburtenrate und rangiert auch im Wachstum in der Spitzengruppe. Klar, dass Oberbürgermeister Jakobs das freut. Allerdings gibt es auch schlechte Nachrichten - bei der Kriminalität.

Jan Brunzlow
Potsdam
In Potsdam steigt seit Jahren die Bevölkerungszahl. -Foto: dpa

Potsdam - Ein Vorzeigestädtchen ist entstanden: Potsdam hat sich in einem Vergleich aller deutschen Landeshauptstädte in den vergangenen zehn Jahren in die Spitzengruppe katapultiert. Inzwischen hat die zweitkleinste deutsche Landeshauptstadt die höchste Geburtenrate. Sie ist die Stadt mit den drittjüngsten Einwohnern und eine der Städte mit dem größten Wachstum. „Das sind wirklich positive Nachrichten“, sagte am Freitag der Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Die Städte-Statistik wird von Potsdam selbst erstellt und erschien nun in der 14. Auflage.

In einer Zehn-Jahres-Bilanz hat Potsdam einen enormen demografischen Wandel vollzogen. 1997 war die ehemalige Residenzstadt mit 6,5 Neugeborenen pro 1000 Einwohner neben Schwerin die deutsche Landeshauptstadt mit dem geringsten Anteil an Kindern. Inzwischen hält der Baby-Boom in Potsdam schon das dritte Jahr in Folge an: 10,7 Neugeborene pro 1000 Einwohner weist die Statistik aktuell aus – das ist deutscher Spitzenwert. Schlusslichter bei diesen Kennziffern sind Saarbrücken und Schwerin mit je acht Säuglingen, Berlin wies im Jahr 2007 mit 9,3 Neugeborenen einen Abwärtstrend auf und lag im Mittelfeld des Vergleichs.

Für Oberbürgermeister Jakobs stellt die Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren eine Erfolgsgeschichte dar. Damals gab es wenig Kinder, die Einwohnerzahl sank auf 130 000, die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigen nahm ab und die Arbeitslosenquote stieg auf 12,3 Prozent. Und heute? Im aktuellen Vergleich stieg die Einwohnerzahl auf über 151 000, etwa 70 000 Menschen haben einen sozialversicherungspflichtigen Job und die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 7,6 Prozent.

Zu dem Bevölkerungssprung haben laut Jakobs die Eingemeindungen vor fünf Jahren, die hohe Geburtenrate, eine verhältnismäßig niedrige Sterberate sowie ein Migrationsüberschuss – also mehr Zu- als Wegzüge – beigetragen. Das Durchschnittsalter der Potsdamer beträgt 41,7 Jahre – nur in Mainz und Kiel ist die Bevölkerung jünger. Am „ältesten“ sind die Magdeburger mit einem Durchschnittswert von 45,3 Jahren, die Berliner sind 42,6 Jahre im Schnitt.

Allerdings gibt es auch schlechte Nachrichten. So stieg die Kriminalität laut der Statistik im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent auf 118 Fälle je 1000 Einwohner. Hauptstadt des Verbrechens ist Schwerin mit 179 Fällen je 1000 Einwohner, Berlin hat 148 zu verzeichnen. Als Grund für den hohen Anstieg in Potsdam nannte Jakobs die Zunahme an Verkehrsdelikten. Weitere negative Daten: Wie in fast allen Landeshauptstädten sei in Potsdam die Kaufkraft gesunken, zudem habe die Zahl der Hartz-IV-Empfänger zugenommen.

Da sich die meisten Werte der Statistik auf 2007 beziehen, ist die lahmende Weltkonjunktur in den Zahlen noch nicht berücksichtigt. Ein Minus von fünf Millionen Euro bei den Gewerbesteuereinnahmen 2008, also rund zehn Prozent weniger als im Vorjahresvergleich, sei noch der Unternehmenssteuerreform geschuldet. „Wie es mit den Werten für 2009 weitergeht, ist rein spekulativ“, meinte Jakobs auf die Frage, wie hart die Finanzkrise Potsdam treffen könnte.

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