Boxen : SV Babelsberg 03: Nach Aufstieg im Fußball-Himmel

Sabine Schicketanz

Tropfnass von der Sektdusche rief es Matthias Platzeck in die Menge: "Hermann Andreev hat ein Wunder vollbracht - das Wunder von Babelsberg!" Der Oberbürgermeister war überglücklich, die jubelnden Potsdamer vor der Bühne ebenso: Der SV Babelsberg 03 ist in die zweite Fußball-Bundesliga aufgestiegen.

Nur Sekunden nach dem Schlusspfiff hatten die 14 700 Zuschauer im seit 24 Jahren erstmals ausverkauften Karl-Liebknecht-Stadion am Samstagnachmittag den Rasen gestürmt. Einige knieten nieder und küssten das "heilige" Grün, andere trugen die Spieler, die Helden des schon jetzt historischen Tages, auf Schultern und Händen. Noch während im Stadion am Babelsberger Park das Bier in Strömen floss und der Sekt spritzte, hatte sich die Nachricht wie ein Lauffeuer in der Stadt verbreitet: In der Innenstadt ertönten Hupkonzerte, in Cafés und Biergärten, ja selbst im Bundesgartenschau-Park, stießen die Potsdamer auf ihren erfolgreichen Fußballklub an.

In ein Meer von Blau-Weiß verwandelte sich derweil der staubige Sportplatz neben dem Stadion. Von hier aus, so schien es, wollte ganz Potsdam seinen Fußball-Helden zujubeln. Die selbst ernannten "Babelszwerge" erklommen die eigens aufgebaute Bühne, eine Schubkarre voller Sektflaschen stand schon bereit. Alle Gratulanten wurden ausgiebig "getauft": Oberbürgermeister Platzeck, die Frauen des Fußball-Vizemeisters 1. FFC Turbine Potsdam, die bei den jüngsten Olympischen Spielen erfolgreichen Ruderer und Kanuten der Stadt.

Dass der Erfolgsstreifen der Filmstädter weiter gedreht werden kann, versprach der Oberbürgermeister den Fans, bevor er auf der Bühne einen kleinen Striptease hinlegte und sein durchnässtes Hemd gegen ein trockenes tauschte. Der Trainer der erfolgreichen "Underdogs", der Russe Hermann Andreev, genoss die Riesenparty mit der ihm eigenen Gelassenheit. "Die Stadt Potsdam kann stolz sein auf diese Mannschaft", rief er, bevor das Team ihm zu Ehren eine "Kalinka" tanzte. Noch zweimal brandete der Jubel der Fans auf: Als Nulldrei-Präsident Detlef Kaminski, der einige Freudentränen vergossen hatte, die "Glückssau Rudi" präsentierte, und als Slawomir Chalaskiewicz, Babelsbergs Spieler der Saison, auf Polnisch verkündete: "Ab jetzt Freibier für alle." Die Aufstiegsfeier nahm ihren Lauf, der Polizei blieb trotz biergetränkter Glücksseligkeit wenig zu tun.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben