VOR DEN WAHLENWer sich bewirbt : NPD stellt Täter von Guben als Kandidaten auf

Alexander Bode gilt als Rädelsführer der Hetzjagd, bei der 1999 ein Asylbewerber verblutete

Sandra Dassler

Guben/Cottbus - Die rechtsextreme NPD stellt bei den bevorstehenden Kommunalwahlen auch ehemalige – verurteilte – Straftäter auf. So kandidiert der 1979 geborene Alexander Bode für die Stadtverordnetenversammlung von Guben und den Kreistag von Spree-Neiße. Bode gilt als einer der Rädelsführer der berüchtigten „Hetzjagd von Guben“, bei der im Februar 1999 der algerische Asylbewerber Farid Guendoul, besser bekannt als Omar Ben Noui, ums Leben kam. Elf Jugendliche hatten den Afrikaner verfolgt, der in seiner Todesangst die Glastür zu einem Haus eintrat, um dort Hilfe zu finden. Dabei verletzte er sich an der Beinarterie und verblutete.

Seine Verfolger wurden zunächst wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Der Bundesgerichtshof änderte die Schuldsprüche auf versuchte Körperverletzung mit Todesfolge. Als einer der Haupttäter galt Bode, der zu zwei Jahren Haft verurteilt wurde. Er hat außerdem einen Menschen mit einer Schreckschusspistole bedroht und soll mehrfach an Schändungen des für Omar Ben Noui aufgestellten Gedenksteins beteiligt gewesen sein.

Der Landrat von Spree-Neiße, Dieter Friese (SPD) reagierte gestern schockiert auf die Kandidatur Bodes: „Es ist entsetzlich, dass ein verurteilter Neonazi und Totschläger auf der Liste der NPD kandidieren darf“, erklärte er: „Schlimmer noch: Mit ihm treten weitere Täter des brutalen Überfalls, bei dem ein Mensch sein Leben verlor, für Gemeindevertretungen an. Ich hoffe, dass jetzt auch der Letzte begriffen hat, welche Ziele eine für diese Wahl zugelassene Partei verfolgt.“

Der Bürgermeister von Guben, Klaus- Dieter Hübner (FDP) wollte die Kandidatur Bodes nicht kommentieren. Sie sei rechtlich nicht zu verhindern gewesen, sagte er. Dirk Wilking, Vorsitzender des Mobilen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus, meinte: „Wenn Bode gewählt wird, ist das eine Ohrfeige für Demokraten. Dann sitzt, wenn im Februar in der Stadtverordnetenversammlung des Todes von Omar Ben Noui gedacht wird, einer der Täter dabei.“

Generell hält es Wilking aber „eher für eine Schwäche, dass die NPD in Brandenburg auf diese Leute zurückgreifen muss.“ Das gelte auch für die Kandidatur des Ex- Chefs der 1992 verbotenen Deutschen Alternative, Frank Hübner, aus Cottbus. Dieser war in der DDR wegen versuchter Gründung einer neonazistischen Wehrsportgruppe verurteilt worden. Hübner habe nach dem Verbot alles Mögliche erfolglos probiert, sagte Wilking: „Vor solchen Politmumien ist mir nicht bange. Es wäre schlimmer, wenn die NPD einen Sparkassenchef hätte aufstellen können.“

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