Der Tagesspiegel : Tödlicher Sturz von der Draisine

Berlinerin zog sich tödliche Kopfverletzungen zu, als sie während der Fahrt das Gleichgewicht verlor

Annette Kögel

Von Annette Kögel

Fürstenberg. Es sollte ein vergnüglicher Wochenend-Ausflug werden, doch der Tag endete mit einem tödlichen Unfall: Während der Fahrt mit einer Draisine von Templin nach Fürstenberg erlitt eine 45-jährige Frau aus Berlin schwerste Kopfverletzungen – sie verstarb noch am Abend im Krankenhaus. Die Frau war während der Fahrt aufgestanden, hatte sich vornüber gebeugt und war dann nach vorn gekippt. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei lag kein Fremdverschulden vor. Das mit Fahrrädern betriebenen Schienenfahrzeug sei technisch einwandfrei gewesen. Die Betreiber der Strecke, die Berliner Gesellschaft Touristica, und die Tourismus Marketing Brandenburg (TMB) zeigten sich bestürzt angesichts des „tragischen Unglücks“. Unfälle mit Draisinen sind bereits vorgekommen. Einen tödlichen Ausgang nahm aber in Brandenburg noch keiner.

Der Vorfall, der am Montag bekannt wurde, ereignete sich bereits am Sonnabend gegen 16 Uhr auf der etwa 30 Kilometer langen Draisinenstrecke von Templin in Richtung Fürstenberg. Eine Gruppe von zwölf Ausflüglern hatte sich auf den pedalgetriebenen Schienenfahrzeugen auf den Weg nach Fürstenberg gemacht, darunter auch die später Verunglückte und ihr Ehemann. Etwa auf der Hälfte der Strecke, nahe Alt Placht, passierte es. Die 45-Jährige saß auf der Bank zwischen den beiden Antriebs-Fahrrädern – als sie plötzlich aufstand und auf der kleinen Plattform nach vorn trat. „Möglicherweise wollte sie sich nach einer Tasche bücken, die herunterzufallen drohte“, sagt Ingo Heese vom Polizeischutzbereich Uckermark/Prenzlau.

Jedenfalls stürzte die Berlinerin aus etwa 30 Zentimeter Höhe von dem Gefährt aufs Gleisbett. Die Draisine soll nach Angaben des Betreibers ihre technisch bedingte Höchstgeschwindigkeit von rund zehn Kilometern pro Stunde nicht erreicht haben. Die Frau soll auch nicht überrollt worden sein, sagt Jörg Schaube, Geschäftsführer der Bayern Express & P. Kühn GmbH, deren Tochtergesellschaft Touristica die Freizeitanlage vermarktet. Ob die am Boden Liegende von dem etwa 75 Kilo schweren Gefährt angestoßen oder mitgeschleift wurde, war am Montag noch unklar. Ebenso, ob sie möglicherweise vor dem Sturz einen Schwächeanfall erlitt. Die Polizei ermittelt derzeit den Hergang des Unfalls. „Die Zeugen stehen unter Schock“, sagt Petra Stoffels, Sprecherin des Polizeischutzbereichs Barnim. Weitere Augenzeugen werden gesucht. Vermutlich wird eine Obduktion vorgenommen.

Bisherigen Erkenntnissen nach liegt weder technisches Versagen noch Einwirkung Dritter vor. „Wir ermitteln wegen eines Unfalles“, so Frau Stoffels. Alkohol soll nicht im Spiel gewesen sein. Nach Angaben von Touristica-Chef Schaube soll die Berlinerin noch vor dem Sturz von Gruppenmitgliedern auf ihr Verhalten angesprochen worden sein. Schaube zufolge erhalten Draisinen-Mieter vor Antritt der etwa dreistündigen Fahrt auch den Hinweis, dass man während der Fahrt nicht aufstehen darf.

Christian Tänzler, Sprecher der Tourismus Marketing Brandenburg, sagte am Montag, ein derart schwerer Unfall auf einer der drei Draisinen-Strecken in Brandenburg (Fürstenberg–Templin, Zossen–Jüterbog und bei Teupitz) sei ihm noch nicht zu Ohren gekommen. Gemessen an der großen Beliebtheit der Freizeitsportgeräte passiere sehr selten etwas. 1996 war die Strecke nach Fürstenberg vorübergehend gesperrt worden, weil alkoholisierte Benutzer sich bei Kollisionen mit damals noch schnelleren Gefährten verletzten. 1998 wurden zwei Kinder nahe Schildow bei einem Zusammenprall verletzt.

Die Berlinerin wurde mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus Eberswalde gebracht. Dort verstarb sie noch am Abend.

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