Der Tagesspiegel : Trotz Klagedrohung: Airlines kürzen weiter die Gebühren Gesellschaften fordern vom Flughafen-Betreiber, Konkurrenten nicht länger zu subventionieren

Rainer W. During

Gelassen haben Air Berlin und Germania Express gestern auf die Ankündigung der Berliner Flughafen-Gesellschaft reagiert, sie auf Zahlung der eigenmächtig gekürzten Gebühren in Tegel zu verklagen. „Wir sind sehr an einer gerichtlichen Klärung interessiert“, sagte Germania-Geschäftsführer Wolfgang Vieweg. „Wir warten ab“, sagte eine Sprecherin der Air Berlin. Angeblich betragen die Gebührenausfälle inzwischen fast zehn Millionen Euro.

Die Flughafengesellschaft hatte im vergangenen Jahr in Schönefeld eine neue Gebührenordnung eingeführt, die erhebliche Rabatte für größere Passagiermengen, die Aufnahme neuer Routen oder zusätzlicher Flüge auf bestehenden Verbindungen vorsieht. Offiziell liegt die Gebühr pro Passagier bei Flügen in ein Mitgliedsland des Schengener Abkommens in Tegel bei 8,94 Euro, in Schönefeld bei 9 Euro. Doch auf die Gebühren gibt es in Schönefeld Rabatte für Airlines, die mehr als 50 000 Passagiere im Jahr transportieren. Ab 250 000 Reisenden liegt der Nachlass schon bei 20 Prozent. Und für neue Flugziele wird im ersten Jahr ein 80-prozentiger Nachlass auf die Passagiergebühren gewährt, der sich in den Folgejahren um je 20 Prozent reduziert. Im günstigsten Fall muss eine Fluggesellschaft so nur 1,44 Euro pro Passagier zahlen. Nutznießer ist vor allem der britische Billigflieger Easyjet in Schönefeld. Germania-Chef Vieweg glaubt, dass Easyjet sogar noch weniger zahlt: „Wir haben 61 Cent pro Passagier errechnet.“

Air Berlin und Germania setzen dagegen auf Tegel. Weil dort entsprechende Nachlässe bisher nicht gelten, subventionieren sie mit den höheren Gebühren die Konkurrenz in Schönefeld, argumentieren die Airlines. Daher habe die Air Berlin ihre Gebühren „realistisch gekürzt“, sagte eine Sprecherin. Germania zahle seit November in Tegel nur noch 5,20 Euro pro Passagier, in Tempelhof 2,20 Euro statt jeweils 8,94, sagte Geschäftsführer Wolfgang Vieweg. Daraufhin bestand der Flughafen vorübergehend auf Barzahlung und schickte vor jedem Start einen Verkehrsleiter zum Kassieren ins Cockpit. Doch die Germania-Besatzungen beharrten auf einer bargeldlosen Zahlung der reduzierten Beträge, und die Flughafen-Gesellschaft habe den Versuch wieder aufgegeben, sagt Vieweg. Die von der Germania gekaufte Airline dba kürzt nach Angaben ihres Sprechers seit einigen Wochen ebenfalls die Zahlungen.

Air Berlin hat im Oktober einen ersten Prozess gewonnen: Das Potsdamer Landgericht untersagte der Flughafen-Gesellschaft unzulässige Zusatzsubventionen für Easyjet. Ob es diese allerdings überhaupt gibt, kann nur gemutmaßt werden: Unter Hinweis auf die Vertraulichkeit hatte der Flughafen die Offenlegung der Verträge abgelehnt. Mittlerweile ist er in die Berufung gegangen.

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