Truppenübungsplatz : Brand bringt Munition zur Explosion

Das Großfeuer auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Jüterbog konnte nur aus der Luft bekämpft werden - doch selbst für die Hubschrauber bedeutete das große Gefahr.

Claus-Dieter Steyer

Jüterbog - Bei diesem Großbrand musste sich auch die Feuerwehr weitgehend zurückhalten. Denn die Flammen auf dem einstigen Truppenübungsplatz „Altes Lager“ im Fläming bei Jüterbog brachten gestern den ganzen Tag über Panzersprengmunition und Granaten zur Explosion, die seit Jahrzehnten im Boden lagern. Montagnachmittag war das Großfeuer aus noch ungeklärter Ursache ausgebrochen, doch wegen der schwierigen Brandbekämpfung brauchten die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Bundeswehr mehr als 24 Stunden, um die Flammen bis Dienstagnachmittag unter Kontrolle zu bringen.

Vor allem der Einsatz eines Hubschraubers mit einem 5 000 Liter Wasser fassenden Behälter verhinderte im Zusammenwirken mit zwei kleineren Löschhelikoptern ein weiteres Ausbreiten der Flammen. Menschen waren laut Einsatzleitung zu keiner Zeit in Gefahr. Die Feuerwehr sprach am Abend von einer rund 300 Fußballfelder großen Fläche, auf denen die Flammen gewütet hatten. Die Bewachung der noch nicht völlig gelöschten Glutnester wird fortgesetzt.

Auch gestern konnte sich die Einsatzleitung nur vom Hubschrauber aus einen Überblick über den ehemaligen Truppenübungsplatz „Altes Lager“ an der Bundesstraße 102 verschaffen. Eine direkte Brandbekämpfung war auf dem hochgefährlichen Gelände wegen der vielen versteckten Munitionsreste nicht möglich.

Deshalb konzentrierte sich die Feuerwehr auf den Schutz von Ortschaften. Den ganzen Vormittag hielt sich das Gerücht, dass das Dorf Klausdorf vorsorglich evakuiert werden müsste. Besorgt beobachteten die Einwohner das Eintreffen schwerer Technik. Drei Kilometer vor dem Ortsrand verbreiterten Panzerfahrzeuge einen schmalen Weg zu einer breiten Schneise, um dort ein Übergreifen des Brandes auf einen Hochwald in Richtung Klausdorf zu verhindern.

Schon in den Jahren 2004 und 2006 wüteten auf dem trockenen Heideboden mit Kiefern, Birken und Gestrüpp starke Feuer. Die militärische Nutzung begann hier bereits 1864. Alle Waffengattungen trainierten auf dem Gelände für den Krieg und testeten neue Munitionen. Die meisten Hinterlassenschaften stammen von den russischen Truppen, die hier zwischen 1945 und 1992 einen der größten Übungsplätze in Ostdeutschland unterhielten. Unzählige Blindgänger werden heute im Boden vermutet, der bislang nicht systematisch abgesucht wurde. Erfahrungsgemäß haben die Truppen bei ihrem schnellen Abzug ganze Munitionslager einfach vergraben, um sie nicht mit in die Heimat transportieren zu müssen. Diese Gebiete gelten bis heute als „rote Zone“, sie dürfen auch von Feuerwehren nicht betreten werden.

Über die Ursache des Großbrandes konnte gestern nur spekuliert werden. Brandstiftung wurde ebenso wenig ausgeschlossen wie eine Selbstentzündung durch eine Glasscherbe oder ein heiß gewordenes Metallteil.

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