Der Tagesspiegel : Verliebt in Potsdam

Claus-Dieter Steyer

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Der Multimilliardär hätte sein Institut an vielen Orten in der ganzen Welt aufbauen können. Doch Hans Plattner entschied sich für Potsdam, wo der 60jährige Technologie-Guru bis 2020 rund 200 Millionen Euro investieren will. Plattner steht in seiner offen bekundeten Liebe zu Potsdam nicht allein. Fernseh-Millionär Günter Jauch finanzierte den Wiederaufbau des Fortuna-Portals, spendete große Summen für die Restaurierung des verkommenen Marmorpalais. Versandhaus-Gründer Werner Otto steckte viele Millionen in den Wiederaufbau des Belvedere auf dem Pfingstberg, ebenso die Reemtsma-Stiftung. Die Messerschmitt-Stiftung nahm sich der Ruine des Belvedere auf dem Klausberg im Park Sanssouci an. Viele andere private Bauherren und Stiftungen versetzten das Holländische Viertel oder die Russische Kolonie Alexandrowka in ihren originalen Zustand. Potsdam muss etwas Magisches ausstrahlen.

Es fällt auf, dass die meisten Bauvorhaben erst Ende der neunziger Jahre begannen und im Zusammenhang stehen mit der Bundesgartenschau 2001. Sie brachte Glanz in die ehemals „graue Maus des Ostens“, lockte Prominente an, förderte das Nachdenken unter der Bürgerschaft und hob durch über zwei Millionen Besucher die Stimmung. Jetzt gibt es mit der Bewerbung um die Kulturstadt Europas 2010 wieder so eine magische Jahreszahl. Falls das Vorhaben gelingt, würde die Zahl der sich in Potsdam verliebenden Mäzene sicher weiter steigen - Multimilliardäre eingeschlossen.

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