Der Tagesspiegel : Video- und Tonaufnahmen belasten Jochen Wolf

Thorsten Metzner

Die Vorhänge im Saal 015 des Potsdamer Landgerichts werden zugezogen, die Beweisaufnahme im "Wolf-Prozess" kann beginnen - zunächst mit einem Stummfilm. "Spur Vier", sagt der Vorsitzende Richter Horst Barteldes. Auf zwei Monitoren sehen Gericht, Angeklagter und Staatsanwaltschaft jetzt ein Polizei-Observationsvideo. Es zeigt das Treffen des früheren Brandenburger Bauministers mit dem vermeintlichen Auftragsmörder Ralf M. am Bahnhof Zoo am 28. Juli 2001, nach dem Wolf wegen versuchter Anstiftung zum Mord an seiner Ehefrau Ursula festgenommen wurde.

Das Beweisvideo läuft nicht sichtbar für die Zuschauer- und Pressereihen, 16 Minuten Stille im Gerichtssaal. Keine Regung bei Jochen Wolf. Im Anschluss werden gesonderte Gesprächsmitschnitte der Szenerie am Zoo präsentiert. Zunächst verlesen mit verteilten Rollen Richter Barteldes als Wolf und sein Beisetzer als Ralf M.. Diese Gespräche belasten Wolf schwer. Zwar legt sein Anwalt gegen deren Verwendung Widerspruch ein, unter anderem mit dem Argument, dass durch die "Betonung" ein "falscher Eindruck" entstehen könnte. Aber der Dialog im Gaunerjargon taugt nicht für Missverständnisse. Ralf M.: "Ich habe von dir den Auftrag gekriegt, deine Frau zu beseitigen. Ich habe es getan... Ich brauche heute Kohle." Wolf verlangt mehrfach erst eine Bestätigung, dass seine Ehefrau wirklich tot ist. Schließlich sei er "drei Mal verarscht worden". Ralf M.: "Soll ich dir eine Schaufel geben? Willst du sie ausbuddeln?" Wolf: "Ich zahle erst, wenn ich definitiv weiß, dass das Problem gelöst ist." Das Problem war seine Frau Ursula.

Dem von der Polizei eingefädelten Treffen waren seit März mehrere abgehörte und nun verlesene Telefonate vorangegangen. Allerdings war Ralf M., dem Wolf im Februar 2000 den Auftrag erteilt hatte, für längere Zeit abgetaucht, hatte dann die Polizei verständigt und danach wieder Kontakt zu Wolf aufgenommen. "Hallo hier ist Ralf, der Auftragnehmer von Dir. Ich war in der Kiste. Wir müssen mal klaren Tisch machen", hatte er Wolf am Telefon bedrängt. Dieser reagierte vorsichtig, wollte sich nicht treffen, sondern "erst nachdenken". Später: "Wenn du denkst, etwas tun zu müssen, können wir uns danach treffen. Alles, was besprochen war, ist klar."

Sigrid Komor, Sprecherin der Potsdamer Staatsanwaltschaft, sagt, dass es in keinem Telefonat einen Hinweis gebe, dass Wolf den Auftrag zurücknimmt. Genau dies hatte Wolf in seiner polizeilichen Vernehmung vermitteln wollen. Zwar gestand der Ex-Minister, Geld für den Mord angezahlt zu haben. Aber, so offenbar die Verteidigungsstrategie, die Initiative sei von Ralf M. ausgegangen, ohne den alles im Sande verlaufen wäre. Als dieser anrief, sei er "überrascht und entsetzt" gewesen, so Wolf laut verlesenem Protokoll. Er habe den Mord nicht mehr gewollt, heißt es weiter.

Auf der Anklagebank hüllt sich Jochen Wolf vorerst weiter in Schweigen, so dass der zweite Verhandlungstag schon am Mittag zu Ende geht. Dies sei ganz gut, merkt Richter Barteldes an, da "ab 13.30 Uhr in diesem Saal ein anderes Verfahren verhandelt" wird. Es ist der Untreue-Prozess gegen Brandenburgs Ex-Agrarminister Edwin Zimmermann.

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