Der Tagesspiegel : Vitamine gegen graue Flecken

Rund 100 000 Deutsche erblinden im Alter. Dafür kann es mehrere Ursachen geben. Oft gibt es eine wirksame Vorbeugung

Daniela Martens

Da ist ein grauer Fleck im Blickfeld. Immer. Wohin man auch sieht. Um den grauen Fleck herum erhascht man nur ein paar verschwommene Umrisse und Farben. Für jüngere Menschen ist das ein Horrorszenario. Für viele ältere bittere Realität. Altersabhängige Makuladegeneration, AMD, nennt man diese Augenerkrankung. „Das ist die häufigste Ursache, wenn Menschen im Alter blind oder schwer sehbehindert werden“, sagt Augenarzt Georg Eckert, Sprecher des Berufsverbandes der Augenärzte. AMD kann in zwei unterschiedlichen Formen verlaufen: trocken wie in 80 Prozent der Fälle – oder feucht. Letztere ist die schlimmere Variante. Sie schreitet meist rascher voran. Dabei beginnen die Augen zu triefen, die Netzhaut schwillt an. Aus der trockenen Form kann sich die feuchte entwickeln.

Etwa 30 Prozent der Deutschen zwischen 75 und 85 Jahren leiden an der Krankheit. Das sind rund 2 Millionen in Deutschland. „Ich sehe mit großer Sorge in die Zukunft“, sagt Dirk-Peter Schulze, Chefarzt der Klinik für Augenheilkunde des Klinikums Ernst von Bergmann in Potsdam. „In unserer alternden Gesellschaft gibt es immer mehr Sehbehinderte und Blinde. Bis 2030 wird ihre Zahl um 30 Prozent steigen.“ Zurzeit sind rund 100 000 Deutsche im Rentenalter erblindet: Etwa zwei Drittel aller blinden Deutschen sind damit über 65.

Viele von ihnen leiden an einem Glaukom, auch grüner Star genannt. Oder an einer „zuckerbedingten Netzhauterkrankung“. Diese beiden Krankheiten sind laut Eckert und Schulze zweit- und dritthäufigste Ursache von Altersblindheit. „Diabetes wird oft vom Augenarzt entdeckt“, sagt Eckert. Denn ein Symptom der Zuckerkrankheit ist die Netzhautblutung, auch „Diabetische Retinopathie“ genannt.

Die Erkrankung steht in diesem Jahr im Mittelpunkt der bundesweiten „Woche des Sehens“ vom 9. bis zum 15. Oktober. Die Aktionstage finden zum fünften Mal statt, beteiligt sind unter anderen der Berufsverband der Augenärzte, die Christoffel-Blindenmission und der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband. Jedes Jahr wird auf ein besonderes Problem aufmerksam gemacht: Die Zahl der Diabetiker steigt in Deutschland. 30 000 der vier Millionen zuckerkranken Deutschen sind erblindet. Dabei hätte eine frühzeitige Diagnose und eine sachgerechte Therapie vielen von ihnen das Augenlicht erhalten. Noch zu wenige lassen sich regelmäßig untersuchen. „Jeder über 35 sollte zur augenärztlichen Vorsorgeuntersuchung gehen“, sagt Eckert. Das kann nicht nur bei „zuckerbedingter Netzhauterkrankung“ Schlimmes verhindern. Vor allem ein Glaukom bemerke man sonst erst, wenn es zu spät sei. „Das ist eine schleichende, nicht schmerzhafte Krankheit, aber nur dann gefährlich, wenn sie verbummelt wird.“ Frühzeitig erkannt, könne man sie problemlos mit Augentropfen beheben. Sind Sehnerven aber einmal zerstört ist das endgültig.

Und auch für Makuladegeneration, die Krankheit mit dem Fleck, gilt: Man kann etwas tun. Das war aber nicht immer so. „Vor zehn Jahren musste man noch mit einem Achselzucken auf die Diagnose reagieren“, sagt Eckert. Seit fünf Jahren sei die Krankheit mit speziellen Spritzen „sinnvoll behandelbar“ sagt Schulze. Allerdings habe man damit nur einen Stillstand erreicht. Nun gebe es seit einem halben Jahr Präparate, die den Zustand der Patienten verbessern können: „Das ist aber noch kein Allheilmittel.“

Inzwischen wisse man auch, wie man wirksam vorbeugen könne, sagt Eckert. Bluthochdruck und Rauchen etwa erhöhen das Erkrankungsrisiko. „ Es gibt zwei Dinge, die helfen“, sagt Eckert. „Vitamine und viel Bewegung – ein gesundheitsbewusstes Leben eben.“

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