Der Tagesspiegel : Von der Ruine zum Schmuckstück

Helmut Caspar

Klein Glienicke. Die Hohenzollern liebten Aussichtstürme. Auf vielen Anhöhen in der Berliner und Potsdamer Kulturlandschaft sind sie zu finden. Auch auf dem höchsten Punkt des Böttcherbergs im Landschaftspark von Klein-Glienicke, das auf Berliner Gebiet liegt, steht ein solcher Ausguck gen Brandenburg. Die Loggia Alexandra ist eine Perle spätklassizistischer Architektur. Lange gehörte die offene Säulenhalle mit kleinem Treppenturm und Besucherplattform zu den Problemfällen des Denkmalschutzes. Baufällig und Vandalen ausgesetzt, schien der kleine Tempel dem Untergang geweiht zu sein. Jetzt konnten aber die komplizierten Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten abgeschlossen werden.

Möglich wurden sie durch eine Spende der Cornelsen Kulturstiftung in Höhe von rund 550 000 Mark. Die Stiftung ließ bereits kostbare Ausstattungen der Schlösser in Caputh, Königs Wusterhausen, Paretz und im Potsdamer Marmorpalais restaurieren. Beteiligt an den Sanierungskosten für die Loggia Alexandra in Höhe von 1,7 Millionen Mark waren ferner das Land Berlin, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und weitere Geldgeber.

Prinz Carl von Preußen, der Besitzer von Schloss und Park Glienicke, hatte die Loggia Alexandra 1869 von Ernst Petzholtz als Aussichtsturm und Teesalon errichten lassen. Er nannte das Haus nach seiner Lieblingsschwester Charlotte, die bei ihrer Heirat mit dem späteren Zaren Nikolaus I. den Namen Alexandra Feodorowna annahm.

Nachkommen des Prinzen gingen mit den Glienicker Anlagen wenig pfleglich um. Geändert hat sich dies erst in den 70er und 80er Jahren. "Mit der Loggia Alexandra erhält der Böttcherberg einen besonderen Anziehungspunkt zurück. Als Aussichtspunkt und bauliches Kleinod ist das Denkmal in neuem Glanz nun wieder in seiner ursprünglichen Bedeutung erlebbar", sagte jetzt Senatsbaudirektor Hans Stimmann bei der Übergabe der Loggia, deren Halle durch Glastüren geschützt ist. Wandgemälde und ein kunstvoller Marmorfußboden schmücken nun den Raum.

Die von dem Münchner Restaurator Rolf-Gerhard Ernst in mehrjähriger Arbeit restaurierten Bilder zeigen licht bekleidete Tänzerinnen auf blauem Grund. Die darum gemalten Fenster und Säulen versetzen den Betrachter in die Antike. Als Vorbild dienten dem Maler Adolf Burger pompejanische Wandbilder. 1996, als die Arbeiten begonnen wurden, hatte der Münchner Restaurator Rolf-Gerhard Ernst bis zur Unkenntlichkeit zerstörte Originale vorgefunden, deren ursprüngliches Erscheinungsbild nun wiedergewonnen wurden. Die Berliner Verlegerin Ruth Cornelsen, die sich einen Namen als "Beschützerin des Schönen" gemacht hat, ist vom Ergebnis beeindruckt und sieht sich bei ihren Mühen um das gebaute Erbe in der Region "auf das Beste" bestätigt. Nächstes Hilfsprojekt ist ein Wasserfall im Glienicker Schlosspark.

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