Wassertourismus : Freizeitkapitäne geben Brandenburg eine Eins minus

Erste umfassende Studie zu Wassertourismus zeigt große Zufriedenheit. Wirtschaftsminister sieht noch Verbesserungsbedarf

von
Foto: ddp
Foto: ddpFoto: ddp

Berlin/Potsdam – Der Urlaub auf den märkischen Flüssen und Seen mit Boot, Floß oder Kanu wird immer beliebter. Das belegt eine Studie im Auftrag des Netzwerks „Aktiv in der Natur“ und der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH (TMB). Erstmals bekommen Touristiker damit belastbare Ergebnisse für die Potsdamer und Brandenburger Havelseen, für die uckermärkischen und Ruppiner Gewässer, die Dahme-Seen und das Märkische Seenland in die Hand.

Für die Urlaubsbranche war der Bootstourist lange ein unbekanntes Wesen, zumindest statistisch, etwa bei der Frage, was die Freizeitkapitäne tun, wenn sie mal nicht am Steuer sitzen. Daher ließ das Netzwerk „Aktiv in der Natur“ gemeinsam mit der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH (TMB) und den Reisegebieten vergangenen Sommer Bootstouristen befragen. Etwas mehr als 2 000 Gäste beteiligten sich. „In dieser Größenordnung gab es das noch nicht“, sagte Raimund Jennert vom Netzwerk und Abteilungsleiter bei der TMB.

Insgesamt sind die Bootsurlauber sehr zufrieden, wenn sie in Motorjachten, Kanus, Haus- und Segelbooten über märkische Gewässer schippern. Auf einer Schulnotenskala von 1 bis 5 vergaben die Befragten eine 1,5. Noch zufriedener sind jene, die sich auf dem Wasser in anderen Regionen auskennen, Brandenburg aber erstmals vom Kahn aus entdeckt haben. „94 Prozent werden sicher oder wahrscheinlich weitere Bootsurlaube hier verbringen“, sagte Jennert. „Das sind klasse Ergebnisse. Bei 38 Prozent haben sich die Erwartungen mehr als erfüllt.“ Die meisten Wassertouristen – 29 Prozent – kommen aus Berlin. „Insgesamt wohnen über 70 Prozent der Befragten im Raum Ostdeutschland-Berlin. Nur vier Prozent kamen aus dem Ausland“ – zwei Prozent aus den Niederlanden, ein Prozent aus der Schweiz.

Bei ihnen und erfahrenen Ersturlaubern sieht Jennert die größten Chancen auf neue Stammgäste. „Sie ziehen Vergleiche mit anderen Bootreisegebieten.“ Und da sei Brandenburg im Vorteil: „Die Schönheit der Landschaft zieht. Schwimmen und Baden sind die Lieblingsbeschäftigungen der Touristen, hier haben sie saubere Badewasserqualität, bei uns ist das auch ganz normal, woanders nicht.“ Hinter dem Plantschen als beliebtester Beschäftigung besichtigen die Urlauber gern Ortschaften und Sehenswürdigkeiten, dann kommen Radfahren, Wandern und Angeln. Um die Angebote am Ufer zu nutzen, fehlten aber Anlegestellen, sagte Jennert. Derzeit sind es 300 Steganlagen, 65 Marinas und 156 Wasserwanderplätze. „Da ist mehr drin“, sagte auch Steffen Streu, Sprecher des brandenburgischen Wirtschaftsministers Ralf Christoffers (Linke).

Und die Angebote müssen besser an die Touristen herangetragen werden, die Kommunikation stimmt noch nicht. Damit sie sich auf dem Wasser besser zurechtfinden, sollen die Ufer besser ausgeschildert werden. Campingplätze, Restaurants oder Sehenswürdigkeiten werden künftig durch die „Gelbe Welle“ gekennzeichnet. „An vielen Stellen sieht man vor lauter Wald kein Ufer, da muss ein deutliche Symbol weiterführen, wo man zum Beispiel gut essen kann“, sagt Ministeriumssprecher Streu. Alexander Fröhlich

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar