• Blairs Pechsträhne: Der Fehltritt von Sohn Euan ist der Höhepunkt eines schwarzen Monats

Welt : Blairs Pechsträhne: Der Fehltritt von Sohn Euan ist der Höhepunkt eines schwarzen Monats

Hendrik Bebber

Den Tränen nahe bekannte Tony Blair vor britischen Pastoren, wie tief ihn die Verfehlung seines Sohnes Euan getroffen hat. Der 16-Jährige hatte mit Schulfreunden seine Mittlere Reife gefeiert und wurde total betrunken und hilflos von der Polizei auf dem Pflaster des Leicester Square im Herzen Londons aufgefunden. "Das Amt eines Premierministers ist schwer", sagte Blair. "Aber ein Vater zu sein, ist noch schwerer und zuweilen scheitert man daran."

Euans Fehltritt ist der Höhepunkt des schlimmsten Monates in der Amtszeit des Premierministers. Eine Grundsatzrede vor dem britischen Frauenverband war auf Hohn und schroffe Ablehnung gestoßen. Die Debatte um den Beitritt zum Euro spaltet das Kabinett, Nordirland brennt und die Popularität Blairs ist stark gesunken. Sein Sohn wurde ausgerechnet in der Woche von der Polizei aufgegriffen, in der die Regierung ein Gesetz vorbereitet, das hohe Geldstrafen für betrunkene Jugendliche vorsieht.

Der Premierminister verteidigte das Gesetz in der BBC und erklärte, dass es "für meinen Sohn keine Ausnahmebehandlung geben kann. Er muss die Konsequenzen seines Handelns tragen." Natürlich stehe die Familie voll zu Euan, der "ein guter Junge ist". Seine Mutter hat ihren Urlaub in Portugal abgebrochen, wo sie sich mit dem im Mai geborenen Leo erholte.Cherie oder Tony Blair müssen ihren Sohn in den nächsten Tagen wieder auf eine Polizeiwache begleiten, wo er wegen des Alkoholverstoßes und der Angabe einer falschen Adresse verwarnt wird. Bisher hatten die Blairs ihre Kinder streng gegen die Presse abschirmen können, was wegen des "öffentlichen Interesses" jetzt wohl vorbei sein dürfte.

Mit seiner Kampagne gegen den Verfall von Sitte und Anstand bei Jugendlichen hat Blair ebenso Pech, wie bei anderen "moralischen Kreuzzügen", zu denen britische Regierungen gerne aufrufen. Sein Innenminister Jack Straw verschärfte die Gesetze gegen "weiche Drogen" und musste kurz danach seinen eigenen Sohn bei der Polizei anzeigen, weil eine Zeitung den 17-jährigen William beim "Dealen" mit Marihuana ertappte. Blairs konservativer Vorgänger John Major machte sich mit seiner Aufforderung zu viktorianischer Sittenstrenge lächerlich, als eine Reihe seiner Minister und Abgeordneten wegen Ehebruchs und bizarrer Sexskandale aufflogen.

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