Welt : Für ein paar Dollar mehr

Mary-Kate und Ashley Olsen wurden von klein auf von ihren Eltern vermarktet – nun zieren sie die US-Zeitschriften

Friedemann Diederichs[New York]

Von Friedemann Diederichs,

New York

Für das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ sind die beiden die erfolgreichsten Kinder-Stars, die es je gegeben hat. Das beliebte amerikansiche Klatsch- und Tratschmagazin „People“, in dem sonst die Wehwehchen der Hollywoodstars Hand in Hand mit mehr oder weniger frischem Affären-Geplauder gehen, wählte das Duo unlängst unter die 50 attraktivsten Personen auf diesem Planeten. Und selbst das Musikmagazin „Rolling Stone“ wollte, obwohl über herausragende Sangeskünste der 17jährigen Zwillinge Mary-Kate und Ashley Olsen eigentlich nichts Näheres bekannt ist, Auflage machen und platzierte deshalb die Teens in bauchfreiem Top und engen Jeans gleich auf der Titelseite.

Dass im Land der unbegrenzten Möglichkeiten tatsächlich nichts unmöglich ist, beweist der Lebenslauf der Blondinen nachdrücklich. Und auch Europa soll spätestens im kommenden Jahr mit den beiden Mädchen Bekanntschaft machen, hat doch das Management der Olsen-Zwillinge angekündigt, dann eine breit angelegte Marketingattacke zu starten, deren Stoßrichtung auch Deutschland erfassen und damit zum bereits erheblichen Vermögen des Duos beitragen soll. Das beträgt heute schon knapp 100 Millionen Euro, und das Unternehmen „Dualstar Entertainment“, dem Mary-Kate und Ashley im nächsten Jahr nach dem 18. Geburtstag als gleichberechtigte Präsidentinnen vorstehen werden, setzte allein im Jahr 2001 rund 500 Millionen Euro um. Kaum etwas ist dabei tabu: Von Kinderbüchern über CD’s, Kleidung, Sonnenbrillen und Bettwäsche bis hin zu Computerspielen läßt sich offenbar alles, was den eher komplizierten Markennamen „mary-kateandashley“ trägt, in Kassenschlager verwandeln.

Bemerkenswert dabei ist vor allem, dass das Olsen-Duo eigentlich über keinerlei besondere Qualitäten verfügt – außer schon immer nett ausgesehen und Skandal-Schlagzeilen vermieden zu haben. Die Schwestern können nicht singen, gelten als mittelmäßige bis schlechte Schauspielerinnen und haben zur amerikanischen Gesellschaft eigentlich nichts anderes beigetragen, als dieser seit dem Windelalter permanent präsentiert worden zu sein. Im Jahr 1987 debütierten sie, noch nicht einmal ein Jahr alt, als Babies in einer TV-Familienserie. Über einen Zeitraum von acht Jahren erlebte dann das Fernsehpublikum das öffentliche Heranwachsen der Zwillinge zu jungen Mädchen, die sich auf der Mattscheibe vor allem durch altkluge Bemerkungen auszeichneten – doch den Zuschauern gefiel’s. Auf Dutzenden Fan-Webseiten läßt sich heute der weitere Werdegang der beiden verfolgen, und schnell wird dabei klar, dass angesichts der massiven Vermarktungs- und Publicityanstrengungen der Olsen-Eltern und des Managements am Ende der Öffentlichkeit gar nichts anderes übrig blieb, als die adretten wie omnipräsenten Blondinen zur Kenntnis zu nehmen.

Kein Jahr, indem nicht irgendein Video oder Abenteuer-Filmchen unters Volk geworfen wurde. Selbst der Erwerb von zwei Automobilen der Marke „Landrover“ im führerscheinfähigen Alter von 16 Jahren war dem Management eine ausführliche Presse-Präsentation wert. Und so gut wie jede Urlaubsreise der zwei wurde zu Kurzfilmen umgesetzt, wobei der Streifen „Holiday in the sun“ vor zwei Jahren von US-Kritikern übereinstimmend zu einem der schlechtesten Filme gewählt wurde, der jemals das Licht der Welt erblickt habe. Doch auch von diesem Rückschlag ließen sich Familie und Vermarkter nicht entmutigen. Längst klingelten an anderen Fronten die Kassen, und als besonders lukrativ erweisen sich dabei heute noch die Anzieh-Puppen der Firma Mattel, von denen sich manche Modelle in den USA sogar besser verkaufen als der bisherige Marktführer „Barbie". Der große US-Kaufhauskonzern Wal-Mart, der seinen Fuß mittlerweile auch nach Deutschland gesetzt hat, richtete aufgrund der großen Nachfrage nach Artikeln mit dem Namen der Zwillinge sogar eigene Abteilungen in den Warenhäusern ein.

Wie wird es mit den Olsens weitergehen, fragt sich jedes Jahr aufs Neue Amerika – und demnächst wohl auch Europa. Zumindest für die britische Schauspielerin Tracey Ullman, die im US-Sender FOX TV eine wöchentliche Show gestaltet und für ihr Lästermaul berühmt ist, scheint festzustehen, wann und wie der Höhenflug der beiden 17jährigen irgendwann enden wird: „Wenn sie sich im Alter von 36 Jahren im Playboy ausziehen, wissen wir ganz sicher, dass diese Karriere endgültig vorüber ist.“

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