Welt : Ich gestehe!: Dieter Hanitzsch, Karikaturist

Bea Schnippenkoetter

Meine Frau Mercedes stammt aus Gran Canaria. Wir sind seit 1973 verheiratet. Ich kann bis heute noch nicht gut Spanisch, damals aber noch so gut wie überhaupt nicht, außer Standardausdrücken, wie "una cerveza", "muchas gracias" und "bue-nas noches". Wir haben uns in München kennen gelernt, als sie für die Stadt München Ehrengäs-te der Olympischen Spiele betreute. Als wir später daran dachten, zu heiraten, sind wir mit ihrem Vater zum Essen gegangen. An diesem Abend fasste ich mir ein Herz und hielt um Mercedes Hand an. Wir waren uns zwar einig, aber Mercedes, die als Dolmetscherin fungierte, war doch ziemlich überrascht, als sie meinen Antrag übersetzen musste. Ich habe eine lange Bewerbungsrede gehalten: Was ich beruflich mache, wie mein Einkommen ist, dass ich sie liebe und alles. Und sie musste alles wörtlich übersetzen Das nahm etwas groteske Formen an. Zum Beispiel, als ich mit rotem Kopf sagte: "Ich liebe sie", konnte sie nicht antworten "Ich liebe Dich auch", sondern übersetzte. "Ich liebe sie" - und wurde dabei selber rot. Der Schwiegervater war entzückt. Sie erklärte, dass ich beim Bayerischen Fernsehen fest angestellt sei und was ich verdiente. Und sie übersetzte wörtlich den an ihren Vater gerichteten Satz: "Ich bitte um die Hand Ihrer Tochter". Das war schon sehr komisch, aber sie hat es bravourös gemacht. Der Schwiegervater reagierte mit Humor. Er sagte - und ließ wiederum von seiner Tochter übersetzen: "Warum denn nur die Hand? Nehmen Sie doch gleich die Ganze." Damit war die Spannung gebrochen, und wir haben noch lange schallend gelacht.

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