Kolumne "Tücken der Woche" : Was Friedrich Küppersbusch zum Freistoßspray einfällt

Über die Tücken der Woche schreibt in der kommenden Zeit Friedrich Küppersbusch im Tagesspiegel. Diesmal geht es um das Freistoßspray und den Hang der Politik, unliebsame Projekte bei Fußball-Events unbemerkt durchzuziehen.

Friedrich Küppersbusch
Friedrich Küppersbusch: Autor, Moderator, Freigeist.
Friedrich Küppersbusch: Autor, Moderator, Freigeist.Foto: dpa

Verdeckte Fouls, gemeine Beine – traditionell wird anlässlich sportlicher Massenablenkung gern im Verborgenen durchregiert. Welche unliebsamen Gesetzesvorhaben haben wir diesmal zu gewärtigen? Und – wenn der Trubel sich legt – was sagen wir dann dazu?

„Ich regiere was, was Du nicht siehst!“ Manche argwöhnen, diesmal schiebe Sigmar Gabriel seine Fracking-Verordnung hinterm Stadion durch. So, wie wir nach der EM 2012 mit einem schicken neuen Meldegesetz wach wurden, das die Einwohnermeldeämter zu Adresshökern ertüchtigte. TTIP und ein „Dienstleistungsabkommen TISA“ sind nicht nur schlecht, sondern auch unzureichend mit der Fifa koordiniert. Königsklasse wäre natürlich, das Spiel zu drehen und während Angela Merkel die Nationalmannschaft anfeuert, hinter ihrem Rücken schnell Juncker zum Kommissionschef zu machen. Noch besser als Fußball funktioniert übrigens Sarrazin. In der ARD-Themenwoche „Rassehygiene“ 2010, flankiert von „Spiegel“-, „Focus“- und „Bild“-Titeln, wurde die Wehrpflicht geschleift und der Atomausstieg. Doch Hand auf ’s Herz – bevor ich nochmal Sarrazin ansehe, gucke ich lieber ein paar andere sehr grobe Fouls.

Apropos grobe Fouls – das recht exaltierte „Wort zum Sonntag“ in der Halbzeitpause hinterließ ratlose Fans und begeisterte Christen. Was gibt die WM-Folklore sonst noch her?

Beim ersten Einsatz des Freistoßsprays fand ich die Geste des Schiedsrichters, der Mauer noch schnell die Schuhe zu putzen, irritierend. Inzwischen kennt man das „915 fair play spray“, und mir träumt, verwarnungswürdigen Zeitgenossen auch im Alltag mit einem Schuss Rasierschaum den Mindestabstand weisen zu können. Daneben begeistert mich der in die holländische Mannschaft gefahrene Geist Jürgen Klopps. Für mein Spätwerk plane ich ohnehin die Gründung eines „Bundes der Heimatvertriebenen der alten BRD“ – also dem Land, dem eine Wiedervereinigung mit den Niederlanden jederzeit plausibler gewesen wäre als mit dem sozialistischen Knäckebrot auf der anderen Seite. Vanillevla, Pindasaus, Coffeeshops, Liberalismus und die 74er Mannschaft um Cruyff, um nur die wichtigsten Argumente zu nennen. Damals fragten holländische Freunde uns: „Warum tut Ihr nichts gegen Strauß?“. Heute bezähme ich mich, revanchehalber wegen Wilders anzurufen. Was auf niederländisch „anbellen“ hieße und ja auch nichts besseres wäre. Die Elftal schenkt uns den Glauben an diesen netten Nachbarn zurück.

Die Nachbarn im Norden, etwa Schweden, begingen am Wochenende ihren „Midsommar“. Und Sie?

Dem Klischee gemäß bestehen alle Ikea-Produkte aus Pressspan, also neben den Fleischbällchen etwa auch die Möbel. Als Haushaltsvorstandsassistent kam mir die Aufgabe zu, das schwedische Festgericht in einer der Vegetarierinnenfraktion bekömmlichen Version zuzubereiten. Also Gemüsekugeln und zuckerfreie Preiselbeersauce. Dazu Ökokartoffeln und braune Sauce. Es ließ sich machen, wenngleich eine Schwedenreise kürzer und billiger gewesen wäre. Für junge Verbraucherinnen der lindgrenwissenschaftliche Hinweis: sieben Kräuter von sieben Wiesen, unters Kopfkissen, und man träumt den Mann seines Lebens in der Mittsommernacht. Ich habe es ohne Kräuter versucht und, nun ja, Miro Klose. Das hätte schlimmer kommen können.

Und was macht Gauck?

Waffenruhe diese Woche. Unser leitender Militärgeistlicher hat ein böses Echo bekommen, ausgerechnet von Grünen und SPD, die ihn dunnemals erfanden. Umstritten derzeit, ob seine Dienstreisen künftig als Waffenexport bewertet werden.

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