Private Unterkunft : Gastgeber auf die Couch

Weltweit bieten immer mehr Privatpersonen Heim und eigenes Bett an. Gegen Bares, als Hotelersatz.

Friedemann Diederichs
In Manhattan ist es eng. Da bringen Logiergäste Entspannung in die Haushaltskasse.
In Manhattan ist es eng. Da bringen Logiergäste Entspannung in die Haushaltskasse.Foto: Ad Meskens

Dena, die 30-jährige Museumsangestellte, hat einen gut verständlichen Wunsch, den sie allen potenziellen Gästen mitteilt: „Bitte töte nicht mich und meine Katzen, während wir schlafen.“ Auch wenn dieser Satz humorvoll gemeint ist, so schwingt doch eine Spur von Verunsicherung mit, die ihren jüngsten Nebenerwerb begleitet. Denn die New Yorkerin ist eine von etwa 11 000 Menschen in den USA, die auf der Webseite Airbnb.com den Schritt zum Mini-Hotelier gewagt haben. Und ihr Apartment oder Haus nächteweise für Fremde öffnen, die hohe Hotelkosten, knallende Flurtüren nach Mitternacht und randalierende Reisende im Nebenzimmer leid sind.

In New York ist Platz ein besonders wertvolles Gut. Und weil ihr der Vermieter soeben die Miete erhöht hat, bietet Dena nun für 95 Dollar die Nacht (knapp 70 Euro) einen Teil ihrer Wohnung in der 59. Straße Touristen und Geschäftsleuten als Quartier an. Die Grundregeln werden von Anfang an klargemacht: Geraucht werden darf nur auf dem Balkon, das Wohnzimmer nebst Groß-TV und die Küche stehen zur Mitbenutzung frei, der Müll muss getrennt werden. Da ist die junge Frau, die wie viele New Yorker zwei Jobs nacheinander arbeitet und deshalb von sieben Uhr früh bis spät in den Abend abwesend ist, strikt.

Doch neben Hinweisen gibt es auch jede Menge Vertrauen. „Holen Sie doch einfach den Schlüssel bei mir im Museum ab, wenn Sie in New York ankommen. Dann müssen Sie nicht warten“, bietet sie dem Gast an. Er bekommt nicht nur die Schlüssel, sondern auch das eigentliche Schlafzimmer nebst Bad zur alleinigen Nutzung – Dena wird im Wohnzimmer mit ihren beiden Katzen auf der Ausziehcouch nächtigen.

Da in New York soeben die „Fashion Week“ (Modewoche) läuft und Hotels bei solchen Anlässen ihre Preise gern mal kurzum verdreifachen, ist Denas Angebot ein ausgesprochen guter „Deal“. Das Bett ist frisch bezogen, die Katzen zeigen sich außerordentlich gut erzogen. Das Passwort für den Internetzugang liegt bei der Ankunft des Gastes auf dem Esstisch bereit, und in einer Mappe gibt es willkommene Hinweise auf die besten Restaurants in der Gegend.

Dena ist eine perfekte Gastgeberin, und die Nachtruhe auf jeden Fall besser als in einem der lauten Touristenhotels direkt am Times Square. Anders als die eher auf anspruchslose Rucksacktouristen abzielende und kostenlose Schlafmöglichkeiten vermittelnde Webseite couchsurfing.com kassiert Airbnb.com zwölf Prozent von jeder Buchung – und erlaubt Vermietern und Gästen, sich gegenseitig – wie bei Ebay oder einer der zahlreichen Hotelbewertungsplattformen – zu bewerten. Je mehr Rückmeldungen, umso höher erscheint der Anbieter dann auf der Suchliste. Ein simples, jedoch offenbar erfolgreiches Prinzip.

Airbnb.com sei nach zwei Jahren bereits profitabel, sagen die Gründer Joe Gebbia und Brian Chesky. In 7781 Städten in 163 Ländern gibt es derzeit Optionen – von der 20-Dollar-Luftmatratze bis zur kompletten Villa – für Reisende, die nicht nur nach einer preiswerten Unterkunft schielen, sondern gelegentlich auch nach interessanten zwischenmenschlichen Erfahrungen.

Charles Floyd und Nena Williams, die im Stadtteil Brooklyn ihr zweites Schlafzimmer vermieten, berichten von einem Ehepaar aus England, das ihnen endlich zeigte, wie ein perfektes Currygericht zubereitet wird. „Ein anderer Gast bot uns an, die Küche mit einem Wandgemälde zu verzieren.“ Doch auch kleine negative Erlebnisse bleiben nicht aus: Eine Frau habe den gesamten Milchvorrat aus dem Kühlschrank getrunken und nicht ersetzt, klagt das Paar.

Solche Hiobsbotschaften hat Dena bisher nicht mitzuteilen. Sie sieht ihre Situation wie andere Privatvermieter als „Win-win“-Erlebnis: „Man macht ein paar Extra-Dollar und gewinnt vielleicht neue Freunde.“ Auf die Frage, welchen Gast sie denn akzeptiere, sagt sie: „Ich verlasse mich vor allem auf meinen Bauch und das Gefühl angesichts der zuvor ausgetauschten E-Mails. Doch letztendlich – das ganze Leben ist ein Risiko.“

Mehr dazu im Internet unter:

www.Airbnb.com

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