Wirtschaft : Am Ende bleibt nur Kleingeld

Aktionärsschützer legen Liste der größten Verlierer vor und üben Kritik an der Politik

Bernd Hops

Berlin - Aktionärsschützer haben kaum Hoffnung, dass die große Koalition die Anlegerrechte weiter stärken wird. „Ich sehe da keine Chance“, sagte Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), am Donnerstag in Berlin. Dort stellte der Verein die „Watchlist 2006“ der größten Kapitalvernichter an der Börse vor. Vor allem Vorstände und Aufsichtsräte müssten aber stärker in die Haftung genommen werden, sagte Hocker.

Zudem müsse der Gesetzgeber das Problem angehen, dass sich immer weniger Aktionäre an Hauptversammlungen beteiligen und so die Gefahr von Zufallsabstimmungen wächst. Hier müsse den Unternehmen mehr Freiheit für Satzungsänderungen eingeräumt werden, um Anreize für eine Beteiligung zu setzen – etwa einen Dividendenbonus.

Hocker warf der Politik vor, bereits ausgearbeitete Initiativen nicht umzusetzen. „Nur bei einem großen Schadensfall dürfte es Verbesserungen geben“, sagte DSW-Chef Hocker. Ein Gesetzesentwurf zum Beispiel, der die direkte Haftung von Vorständen und Aufsichtsräten gegenüber ihren Aktionären vorsieht, sei schon unter Rot-Grün „fix und fertig“ vorbereitet worden – aber wegen des großen Widerstands der Wirtschaftsverbände wieder „in der Schublade“ verschwunden. „Die neue Regierung sah leider noch keinen Anlass, ihn wieder herauszuholen“, sagte Hocker.

Für die Hauptversammlungen fertigt die DSW seit einigen Jahren eine „Watchlist“ (siehe Tabelle) mit den 50 Unternehmen an, die das Kapital der Aktionäre besonders stark vernichtet haben. Berücksichtigt werden nur Aktien, die im Prime Standard – dem Börsensegment mit den höchsten Informationsanforderungen – notiert sind. Die schlimmste Bilanz weist nach DSW-Erhebung der Softwarekonzern Intershop auf. Wer vor fünf Jahren 10 000 Euro investierte, der hatte Ende 2005 nur noch 26,83 Euro im Depot stehen. Auf Platz zwei: der Chipbroker CE-Consumer Electronic. Hier blieben von 10 000 Euro nur 206 Euro übrig.

Unter den 50 Firmen ist der Chiphersteller Infineon (Platz 47) der einzige Wert aus dem Leitindex Dax. Auf Platz 41 steht der Ex-Dax-Wert Epcos. Beides sind ehemalige Siemens-Töchter. „Siemens scheint in der Verlagerung interner Risiken auf die Aktionäre besonders erfolgreich zu sein“, sagte DSW-Chef Hocker süffisant.

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