Autobranche : Mercedes macht Tempo

Daimler-Chrysler erhöht nach einem Gewinnsprung das Renditeziel im Pkw-Geschäft. Die guten Zahlen begeistern die Börse.

Henrik Mortsiefer
Mercedes
Dreckschleuder. Greenpeace protestiert gegen "umweltschädliche Modellpolitik". -Foto: dpa

Berlin/StuttgartBei Mercedes laufen die Geschäfte rund. Der Autokonzern Daimler-Chrysler meldete am Mittwoch für seine Pkw-Sparte (Mercedes-Benz, Maybach, Smart) einen deutlich gestiegenen Gewinn – und erhöhte das Renditeziel für die Kernmarke. Die Lkw-Sparte litt im zweiten Quartal hingegen wie erwartet unter dem Nachfrageeinbruch in den USA. Die wegen des bevorstehenden Verkaufs der US-Sparte Chrysler nur vorläufigen Zahlen lösten an der Börse Begeisterung aus: die Daimler-Aktie stieg um 2,7 Prozent auf 67,80 Euro.

Die Mercedes Car Group präsentierte sich von April bis Juni in Bestform – trotz der schwachen Autonachfrage und des hohen Euro-Kurses. Obwohl mit 320 000 Fahrzeugen 5300 weniger als im Vorjahreszeitraum abgesetzt wurden und der Umsatz bei 12,6 Milliarden Euro stagnierte, sprang der Gewinn (Ebit) von 690 Millionen Euro auf 1,2 Milliarden Euro. Das war ein Plus von 74 Prozent.

Die operative Umsatzrendite der Pkw- Gruppe erreichte damit 9,5 Prozent, vor einem Jahr lag sie erst bei 5,5 Prozent. Für 2007 insgesamt strebt Mercedes weiter eine Rendite von mindestens sieben Prozent an. Schneller soll aber nun eine zweistellige operative Rendite erreicht werden. Spätestens 2010 soll sie bei zehn Prozent liegen. Von Investitionskosten in die Entwicklung sparsamerer Fahrzeuge will sich der Konzern dabei nicht bremsen lassen. Mercedes hatte am Dienstag mitgeteilt, das Unternehmen arbeite an verbrauchsärmeren Benzinmotoren – so genannten Dies-Otto-Antrieben – die die Vorteile von Diesel- und Benzinaggregaten in sich vereinen sollen.

Für das laufende Jahr hat sich der Daimler-Chrysler-Konzern insgesamt ein Ebit von sieben Milliarden Euro vorgenommen – 1,5 Milliarden Euro mehr als im vergangenen Jahr. Einen Dämpfer erhielt der Stuttgarter Konzern zuletzt im Lkw-Geschäft. Die Sparte bekam im zweiten Quartal den erwarteten Einbruch des nordamerikanischen Marktes zu spüren: Die Auslieferungen sanken um knapp 15 Prozent auf 112 100 Fahrzeuge, der Umsatz ging um knapp ein Fünftel auf 6,9 Milliarden Euro zurück. Dennoch hielt sich die Daimler Truck Group mit einem Ebit von 601 Millionen Euro (plus drei Prozent) in der Gewinnzone. Das war mehr als Analysten erwartet hatten. Der Bereich Van, Bus, Other, der auch die Beteiligung am Luft- und Raumfahrtkonzern EADS umfasst, schloss erwartungsgemäß deutlich schwächer. Im Vergleichsquartal 2006 war ein hoher Gewinn aus dem Verkauf von EADS-Aktien entstanden.

Neuigkeiten zum Thema Chrysler gab es erwartungsgemäß am Mittwoch nicht. Ergebnisse für den gesamten Daimler- Konzern, das Geschäftsfeld Financial Services sowie für Chrysler werden erst am 29. August veröffentlicht. Die Investmentgesellschaft Cerberus hatte im Mai 80,1 Prozent von Chrysler, dem drittgrößten Autohersteller der USA, für 5,5 Milliarden Euro übernommen. Daimler trat zudem Pensions- und Gesundheitsverpflichtungen für die Chrysler-Mitarbeiter an Cerberus ab. Unter dem Strich rechnet der Daimler-Konzern durch die Chrysler-Abspaltung dennoch mit einer Belastung des Nettogewinns von drei bis vier Milliarden Euro im laufenden Jahr.

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