Wirtschaft : Bahn erhöht die Preise und startet Sonderaktion

Auseinandersetzung um Entschädigungskosten

Bernd Hops

Berlin - Am Sonntag wird Bahnfahren teurer – jedenfalls für Menschen, die ihre Tickets regulär kaufen. Zum Fahrplanwechsel hebt die Deutsche Bahn ihre Tarife an, besonders auf längeren Strecken. Gleichzeitig will sie erneut Sonderpreise, die viele zusätzliche Kunden gebracht haben, anbieten. „Wir stricken für das kommende Jahr an weiteren Aktionen“, sagte ein Bahnsprecher dem Tagesspiegel. Beim „Herbst-Spezial“ mit Fernverkehrstickets für 29 sowie 39 Euro, würden voraussichtlich rund 650 000 Fahrten verkauft, schätzte er. Die Aktion läuft an diesem Wochenende aus. Gegenüber dem entsprechenden Sonderangebot vom vergangenen Herbst wäre der Ticketabsatz damit um mehr als 200 000 höher.

Die nächste Aktion gibt es zwischen den Jahren, wie die Bahn am Freitag mitteilte. Vom 27. bis 29. Dezember bietet das Unternehmen in unbegrenzter Zahl eine deutschlandweite Tagesnetzkarte für 59 Euro an. Die Tickets können dann vom 3. bis 31. Januar 2006 – jeweils dienstags, mittwochs oder donnerstags – abgefahren werden, wobei der Geltungstag frei wählbar ist.

Mit Hilfe einer Reihe von Sonderaktionen hat es der Konzern in diesem Jahr geschafft, die Fahrgastzahlen im Fernverkehr zu erhöhen. Preiserhöhungen brachten wiederum zusätzliche Einnahmen. Die in den vergangenen Jahren defizitäre Sparte soll nun bereits bis zum Jahresende wieder den Sprung in die schwarzen Zahlen schaffen.

Große Probleme könnte es aus Sicht der Bahn aber geben, wenn Pläne der Bundesregierung umgesetzt werden, großzügigere Entschädigungen bei Zugverspätungen zu bieten. In einem internen Papier, das in Auszügen von Reuters veröffentlicht wurde, geht die Bahn davon aus, dass die zusätzlichen Kosten, wenn sie auf die Tickets umgelegt würden, zu Preissteigerungen von bis zu zehn Prozent führen würden. Ein Bahnsprecher verteidigte die bestehende Regelung, die einklagbare Rechte enthalte. Bei Beschwerden der Kunden spiele die Entschädigungshöhe keine Rolle, sondern die bessere Information bei Verspätungen. Daran werde gearbeitet, sagte der Sprecher.

Am Sonntag ändert sich im Einzelnen:

Der Ticketpreis im Fernverkehr steigt im Schnitt in der 2. Klasse um 2,9 Prozent, in der 1. Klasse um 4,2 Prozent. Günstiger werden teilweise kürzere Strecken mit dem ICE.

Im Regionalverkehr werden die Fahrscheine um 2,9 Prozent teurer, die Monatskarten um 2,2 Prozent. Unverändert bleiben die Preise für Jahreskarten und Abonnements. Ausgenommen sind Strecken in den Verkehrsverbünden wie dem VBB in Berlin-Brandenburg, die eigene Tarife festlegen.

Die Bahncard 25 , mit der der Fahrpreis um 25 Prozent gesenkt werden kann, kostet künftig für die 2. Klasse 51,50 Euro statt 50 Euro, die Bahncard 50 206 Euro, sechs Euro mehr als vorher. Neu ist die Jugend-Bahncard 25 . Jugendliche zahlen einmalig zehn Euro, gültig ist die Karte dann bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres. Künftig fällt allerdings der Mitfahrer-Rabatt weg, der bei Bahncards bisher für bis zu vier Mitreisende galt.

Die diversen Ländertickets sind künftig auch am Wochenende gültig. In Berlin-Brandenburg und Bayern wird das neue Länderticket Nacht eingeführt. Bis zu fünf Personen können ab 18 Euro von 19 Uhr bis sechs Uhr am folgenden Morgen fahren.

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