Wirtschaft : Bahn gegen Fahrkarten bei Ebay

Konzern will den Weiterverkauf der Billig-Tickets von Lidl unterbinden

Carsten Brönstrup,Bernd Hops

Berlin - Die Deutsche Bahn geht gegen Wiederverkäufer der neuen Billig-Tickets, die es ab Donnerstag bei Lidl geben wird, vor. „Der Weiterverkauf der Tickets ist nicht erlaubt“, sagte ein Bahnsprecher dem Tagesspiegel am Dienstag. Man stehe unter anderem mit dem Internet-Auktionsanbieter Ebay in Kontakt. „Entdecken wir dort Angebote, sprechen wir Ebay an. Diese Angebote werden dann von Ebay runtergenommen.“ Schon nach den ersten Berichten über die neuen Tickets habe es Versuche gegeben, Billig-Tickets im Voraus zu versteigern. Die Bahn werde auch den Verkauf bei anderen Anbietern von Internet-Auktionen unterbinden, sagte der Sprecher.

Bei Lidl werden ab Donnerstag erstmals Fernverkehrs-Fahrscheine für Züge der Deutschen Bahn verkauft. Der Discounter rechne mit einem Ansturm, sagte eine Lidl-Sprecherin. Darauf habe man sich auch vorbereitet. Man werde zusätzliche Kassen öffnen und mehr Personal einsetzen. Außerdem seien die Kassiererinnen zusätzlich geschult worden.

Die neuen Tickets kosten 49,90 Euro. Damit können Kunden ein beliebiges Ziel innerhalb Deutschlands ansteuern und auch wieder zurückfahren. Die Aktion läuft bis zum 28. Mai, die Zahl der zur Verfügung stehenden Tickets an den Kassen der 2600 Lidl-Filialen ist nach Bahnangaben sechsstellig. Zur genauen Zahl wollten sich jedoch weder der Staatskonzern noch Lidl äußern. Die Kunden müssen auf den Fahrscheinen nur ihren Namen, das Datum und das Reiseziel eintragen. Gültig sind die Tickets bis zum 3. Oktober.

Das Angebot rechnet sich bereits für Verbindungen von Berlin nach Hannover oder Kassel und zurück – die günstigsten Frühbucher-Tickets (ohne Bahncard-Rabatt) kosten hier 51 oder 71 Euro. Für Fernverkehrs-Fahrten von der Hauptstadt nach Hamburg, Leipzig oder Dresden sind aber gewöhnliche Frühbucher-Fahrscheine die günstigere Alternative. Hier sind die Kunden jedoch an bestimmte Züge gebunden, während sie sich bei den Lidl-Tickets kurzfristig entscheiden können.

Dass die Aktion bei Lidl noch in letzter Minute von den Gerichten gestoppt werden könnte, hält die Bahn für unwahrscheinlich. Der Reisebüro-Verband versucht derzeit, eine einstweilige Verfügung dagegen zu erwirken. „Wir gehen davon aus, dass wir planmäßig mit dem Verkauf starten können“, sagte der Bahnsprecher. Er versicherte, dass man den Reisebüros mit der Aktion auch keine Konkurrenz machen wolle. Ob es künftig wieder Billig-Tickets bei Lidl oder einem anderen Einzelhändler geben werde, hänge auch davon ab, wie viele Neukunden die Bahn jetzt gewinnen könne. Das werde nach der Aktion zunächst analysiert. „Die überwiegend sehr positiven Reaktionen bisher ermutigen uns aber“, sagte der Sprecher.

Die Bahngewerkschaft Transnet äußerte sich kritisch zu dem neuen Angebot. Es handele sich zwar um „eine unternehmerische Entscheidung, die die Bahn treffen muss“, sagte ein Sprecher. Bei dieser wie bei weiteren Aktionen dürfe es aber nicht dazu kommen, dass „der Druck auf bestehende Arbeitsplätze weiter erhöht wird“. In den vergangenen Jahren hatte die Bahn viele Schalter geschlossen. Sie begründete dies mit dem Zwang zu Kostensenkungen und neuen Möglichkeiten zum Kauf von Fahrscheinen, etwa per Internet oder am Automaten.

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