Design Reaktor : Dinge, auf die die Firmen nicht kommen

Design Reaktor heißt ein Projekt, bei dem Kunststudenten und der Berliner Mittelstand gemeinsam an neuen Produkten arbeiten.

Werner Kurzlechner

Berlin - Projektleiter Joachim Schirrmacher hält einen glasigen Tropfen zwischen den Fingern. „Vielleicht der neue iPod“, sagt er und reicht das Ding weiter an Noa Lerner. Die junge Frau aus Israel, die seit drei Semestern an der Berliner Universität der Künste (UdK) studiert, hat das Stück gestaltet. In einen winzigen Tropfen aus Silizium packte sie Chip, Minilautsprecher und Batterien. So lassen sich besondere Momente verschenken. Genau ein Lied passt auf den Tonträger. Man steckt ihn ins Ohr und kann der Musik lauschen.

Der „Tropfen Musik“ ging aus dem UdK-Projekt „Design Reaktor“ hervor. Die Hochschule suchte die Zusammenarbeit mit kleinen und mittelständischen Firmen aus der Hauptstadt. Seit Beginn des Sommersemesters entwickelten junge Gestalter neue Produktideen. Die Betriebe halfen bei der Fertigung und prüften die Machbarkeit. Zehn Lehrstühle, 80 Studenten und 55 Firmen erarbeiteten in den vergangenen Monaten 250 Prototypen und meldeten bisher sieben Patente an. Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) jubelt über „ein fantastisches Projekt mit sehr viel Potenzial“. Er erhofft sich durch das Netzwerk aus Kreativen und Mittelstand einen Innovationsschub für den Standort Berlin. Der Senat fördert den „Design Reaktor“ mit rund 200 000 Euro über anderthalb Jahre.

High-Tech-Produkte wie der bespielbare Siliziumtropfen bilden bei den Entwürfen eine Ausnahme. In erster Linie ermuntern die Studenten Handwerksbetriebe zum schöpferischen Miteinander. Sabina Turek und Miriam Lehnert brachten einen lederverarbeitenden Betrieb und eine Haarmanufaktur zusammen. Sie gestalteten einen Anhänger aus Rochenleder mit einem Büschel Echthaar. „Ein Kamm, den wir jeglicher Funktion beraubt haben“, sagt Turek. „Auf so etwas kommen die Firmen von selbst nicht.“ Markennamen und griffige Slogans liefern die Jungdesigner gleich mit. Seife in Form einer Hand preisen sie als „Handysoap“ unter dem Motto „Eine Hand wäscht die andere“ an. „Mozzabrill“ heißt eine Kühlmaske für die Augen. Wer sie sich auf die Nase setzt, sieht Käsestückchen in einer Flüssigkeit schwimmen – eine Möglichkeit, Mozzarella zu verpacken. Zudem gibt es Aschenbecher aus Sand und Schlauchbäume, an denen Blätter aus Solarzellen hängen.

Unternehmer und Studenten regen gegenseitig ihre Fantasie an. Nun gilt es, die Prototypen zur Marktreife zu bringen. Professor Axel Kufus, der das Projekt mit Judith Seng und Joachim Schirrmacher koordiniert, hat keinen Zweifel, dass das zum Beispiel beim Teebeutel mit eingebautem Zeitmesser gelingt. Beim Tropfen Musik dürfte es schwieriger sein. „Vielleicht etwas für Apple oder Sony“, meint Kufus. Werner Kurzlechner

Die Stücke sind am heutigen Sonntag von 11 bis 20 Uhr in der UdK-Aula, Straße des 17. Juni 118, zu sehen.

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