Heik Afheldt trifft … : IBB-Chef Ulrich Kissing

Seit einem Jahr ist Ulrich Kissing Chef der Investitionsbank Berlin. Heik Afheldt besucht den dreifachen Familienvater - und findet ihn unerwartet humorvoll.

Heik Afheldt

Ein Jahr steht er nun an der Spitze der IBB – und fühlt sich in Berlin „von Anfang an“ wohl. Diese „offene Stadt“ sei so attraktiv für junge Leute und habe langfristig großes Potenzial. Auch wenn Berlin jetzt die rote Laterne als wachstumsschwächstes Bundesland abgegeben habe und ganz vorne stehe, sei das Pro-Kopf-Einkommen immer noch nur halb so hoch wie in Frankfurt. Von dort kommt der studierte Betriebswirt nach langen 22 Jahren in den Diensten der Deutschen Bank. Begonnen hat diese imposante Karriere des im tiefschwarzen Sauerland aufgewachsenen Sprosses aus einer alten Unternehmerfamilie – Devotionalien und Prägeartikel stellen sie noch heute her – als Trainee bei der Bank in Augsburg nach dem eher späten Abitur in Menden, 18 Monaten beim Bund und einem zügigen Studium der Betriebswirtschaft in Regensburg und in New York.

Heute betrachtet der unerwartet humorvolle Herr mit der hohen Stirn es als einen „Glücksfall“, dass er damals den Weg zu einer akademischen Laufbahn abgebrochen habe. Aber Mathematik und Statistik reizen ihn immer noch. Das hat ihm geholfen, während der vielen verantwortungsvollen Stationen bei der Bank in Frankfurt und London vieles aufzubauen, das dem Laien als Zinsderivate, Swaps, Caps oder Verbriefungen in der Fachpresse begegnet. Auch der Ausflug in die Deutsche Bank 24 sei kein Flop gewesen. Nur durch sie habe man gelernt, das Privatkundengeschäft so zu rationalisieren, dass es nach wenigen Jahren einen Milliardengewinn abgeworfen habe. Was sagt dieser Finanzroutinier zur Finanzmarktkrise? Höhere Kapitalunterlegungen und bessere Anreizsysteme können helfen, weniger ein Verbot von Leerverkäufen oder von Derivaten.

Mit der IBB wollen sie einen Schwerpunkt auf die Förderung vor allem für KMUs und Gründern legen. Immobilien bleiben das andere Standbein. Bei 8000 gewerblichen Kunden haben sie 2009 rund 1500 neue Kredite mit einem Volumen von 550 Millionen Euro „ausgereicht“. Mit den 600 Mitarbeitern wollen sie in Zukunft noch effizienter arbeiten. Ihre große Hoffnung ist, dass die Berliner Verwaltung da mithält.

Das Privatleben des dreifachen Vaters hat am Lietzensee einen Berliner Standort gefunden. Seine Frau kümmert sich von hier aus noch um den katholischen Kindergarten in Kronberg im Taunus.

Wie risikofreudig der Banker sein kann, zeigen seine Freizeitaktivitäten. Über den Atlantik ging es ohne Familie, das „White-Water-Rafting“ auf dem Colorado im letzten Jahr haben sie alle zusammen genossen. Über seine Liebe zum Theater und zur Kunst redet er gerne, über seine „guten Taten“ – etwa namhafte Spenden für einen Kindergarten in Bolivien – nur ungern. Da fehlt wohl noch die Berliner Schnauze. Zerknittert wie die große Metallplastik vor dem IBB-Sitz kann man sich diesen offenen dynamischen Menschen kaum vorstellen.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

Ulrich Kissing (53) ist Diplom-Kaufmann und seit dem Sommer 2009 Vorsitzender des Vorstandes in der landeseigenen Investitionsbank Berlin (IBB). Er stammt aus Menden im Sauerland.

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