HEIK AFHELDT trifft … : IDZ-Leiterin Cornelia Horsch

Sie ist die Neue an der Spitze des Internationalen Design-Zemtrums Berlin: Cornelia Horsch stürzt sich mit Feuereifer in die Arbeit.

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Foto: Heike Steinweg

Diese schlanke, lebhafte Frau ist kaum älter als die Institution, die sie seit kurzem leitet: das Internationale Design-Zentrum Berlin, kurz IDZ, in der Reinhardtstraße. Dort wirkt sie mit elf designbegeisterten Mitarbeitern emsig daran, mit Weiterbildungen, Workshops, der Schaffung eines internationalen Gütesiegels für gutes Design (Universal Design), Konferenzen und Ausstellungen den Grundgedanken von Design bei den 200 Mitgliedern und in der Öffentlichkeit zu verbreiten.

Das war schon die Idee, als das IDZ vor 40 Jahren mit kräftiger Unterstützung des Berliner Senats gegründet wurde, lange vor dem schmückenden Etikett der Unesco für Berlin als erste Europäische „Stadt des Designs“. Obwohl Berlin „die Kreativen“ als wesentliches Element der Kultur und der Wirtschaft entdeckt hat, bekommt das IDZ schon länger keine festen Mittel mehr. Die halbe Million Euro, die im letzten Jahr gebraucht wurden, stammen aus Mitgliedsbeiträgen und einzelnen bezahlten Projekten. Dazu zählen die beliebten mehrtägigen Workshops, in denen Delegationen etwa aus China oder Korea „German Design“ kennenlernen.

Die wichtige Rolle des IDZ kommt auch darin zum Ausdruck, dass der angesehene Deutsche Rat für Formgebung in Frankfurt mit ihm 2008 eine enge Partnerschaft eingegangen ist. „Wie die Jungfrau zum Kind“ sei sie, so die Pfarrers- und Bauerntochter aus dem schwäbischen Jagsthausen, im Herbst durch einen ungeplanten Wechsel an der Spitze an die spannende Aufgabe gekommen.

Da hatte die diplomierte Industrial Designerin der UdK und ehemals freie Grafikerin gerade erst als PR-Verantwortliche angeheuert. Aber sie musste nicht lange überlegen und übernahm mit dem Segen des Teams das Ruder. „Verantwortung übernehmen“, das hatte das mittlere von fünf Kindern auf dem großen elterlichen Hof und sonntags in der Kirche schon früh gelernt. Bei ihnen war immer viel los, viele Gäste, lebhafte Gespräche, Singen im Chor und ein eigenes Pferd. „Mit dem Himmel verbunden und am Boden gebunden“, so hat sie ihre Jugend erlebt. Nach dem Abitur in Heilbronn wollte sie Medizin, Psychologie, Architektur oder auch „Lehrerin“ studieren. Wegen langer Wartezeiten wurde es aber dann „Ergotherapeutin“ an der Berufsfachschule in Hannover. Nach den drei Jahren kannte sie jeden Muskel.

Dann kam der Schwenk zum Design. Erst ein Jahr an der Kunstgewerbschule in Basel und ab 1991 an der HdK Berlin. Das Studium musste die junge Mutter finanzieren mit Jobs als Grafikerin, als Betreuerin für ein behindertes Kind – und mit Bafög. Die letzten drei Jahre vor dem IDZ war sie an der UdK mit viel Spaß für das Transfer-Management zuständig, für Ausstellungen und Aktionen. Nun fährt sie in ihrer neuen Position zunächst „auf Sicht“ und lotet aus, „welche Töpfe Fettnäpfchen“ sein können. Was sie in der Stadt des Designs vermisst: eine strategische Ausrichtung der Design-Politik. Am IDZ möchte sie das Viele, was es dort gibt, zum Leuchten bringen. Mit ihrem Designer-Mann und ihren beiden Töchtern wohnt sie in einer großen Vierzimmerwohnung am Prenzlauer Berg.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

Cornelia Horsch (52)

leitet seit dem Herbst 2008 das Internationales Design-Zentrum Berlin (IDZ) in Mitte. Die Diplomdesignerin und studierte Ergotherapeutin stammt aus Schwaben.

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