HEIK AFHELDT trifft … : Kommunikatorin Christine Kolmar

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Foto: promo

Für mein überaus charmantes, fröhliches, blondhaariges Gegenüber ein historischer Ort: Das ehemalige Ostberliner Café Egon Erwin Kisch, heute „Einstein Unter den Linden“. Hier war sie in der Nacht des Mauerfalls als Reporterin für die ARD-Tagesschau und Tagesthemen sehr unsicher über die „Risiken im Osten“ spätabends „eingekehrt“. Alles lief gut, so wie meist in ihrem abwechslungsreichen Leben.

Die unverkennbare Berlinerin entstammt einer Medizinerfamilie. Der Vater hat an der Charité geforscht, bevor er Chefarzt am Jüdischen Krankenhaus wurde. Auch ihr Bruder ist Mediziner und ihr „Hausarzt“. Aber Schwester Christine hatte anderes im Sinn. Ihre Leidenschaft war Schreiben. Schon als Schülerin verfasste sie für die Jugendseite im Tagesspiegel Geschichten über „Frauen und Motorräder“ und anderes. Überaus kenntnisreich, weil sie selber eine Honda 250 fuhr.

Frei und unabhängig wollte sie immer sein – und eigentlich gerne „raus aus Berlin“. Daraus wurden nach dem Abitur ’76 zunächst nur eine kleine Wohnung in Tempelhof und ein FU-Studienplatz für Kommunikationswissenschaften, Politologie, Neuere Geschichte und Italienisch.

Aber Semesterferien-Stipendien für Trient, Perugia, Nizza und London, ein Stipendium an der Stanford-University und 1984 eine Fellowship in Harvard haben aus ihr eine überzeugte Europäerin und Nord-Atlantikerin gemacht. Mit Condoleezza „Condy“ Rice war sie dort im Seminar. Ihr gewichtiges Thema: Sicherheitspolitik und Öffentlichkeit. Beste Voraussetzungen für ihre steile Karriere bis zum „Chef vom Dienst“ beim SFB-Fernsehen und ab 1990 die Leitung des ARD-Studios Berlin. Danach war sie Geburtshelferin, verantwortliche Redakteurin und Vize-Chefredakteurin beim Sender NTV. Keiner aus der Politprominenz, den sie nicht interviewt oder mit dem sie nicht „getalkt“ hat. Dazu kamen große Filme: die Geschichte der alten Gebäude, die Berliner Amtssitze der Ministerien wurden, oder ein Reisefilm über Australien.

Seit Oktober 2008 ist die geübte „Moderatorin“ in der Geschäftsleitung der Umweltstiftung WWF für PR und Politik zuständig. Zuvor hat sie erfolgreich eine neue Marke für die deutschen Nationalparks etabliert. Die Marke WWF mit dem kleinen Pandabären ist weltweit schon bekannt und in 140 Ländern mit 1500 Projekten aktiv. Dabei geht es nicht nur um Tierschutz, sondern um den gesamten Klima- und Naturschutz. Adressaten sind die Politik und auch die Wirtschaft – etwa bei der jungen Kooperation mit Edeka zur nachhaltigen Fischwirtschaft. Rund 40 Millionen Euro erreicht der deutsche WWF-Jahresetat aus Beiträgen und Spenden der 360 000 Mitglieder und Drittmitteln. Bis 2011 sollen alle 125 Mitarbeiter nach Berlin ziehen. Dann wird das Büro in der Reinhardtstraße wohl zu eng und ein neues Domizil muss her. Ein „nachhaltiges“ Beispiel für den Wachstumsmarkt NGOs. Sie sind arm, aber nützlich!

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

CHRISTINE KOLMAR

(51) ist Mitglied der Geschäftsleitung beim World Wide Fund For Nature (WWF) Deutschland, promovierte Politologin, Kommunikationswissenschaftlerin und Journalistin.

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