HEIK AFHELDT trifft … : R. Neuenburg Dekra-Lobbyist

Wohlgebräunt, die vollen Haare nach hinten gekämmt, mit einem kleinen Schnurrbart geschmückt und mit einer Aura von Bedeutung, so eilt Rüdiger Neuenburg, der Jurist, an unseren Tisch im Hotel de Rome. Man merkt ihm schnell an, dass ein bedeutender Teil seines Jobs sich in Restaurants, beim Essen und Trinken abspielt. Als einer der wichtigen Lobbyisten vertritt er seit sieben Jahren von der Behrensstraße aus seinen Konzern in der Hauptstadt.

Die Dekra, 1925 als Verein in Berlin gegründet, setzt heute mit vier Tätigkeitsfeldern auf dem Gebiet der Sicherheit 1,2 Milliarden Euro um, mit 16 000 Mitarbeitern und rund 50 Tochtergesellschaften in Europa, Amerika und Südafrika. Bis 2010 will der Konzern den Umsatz verdoppeln. Das Gütesiegel Dekra steht überall für einen hohen Qualitätsstandard, nicht nur bei Kraftfahrzeugen. Hier ist die Firma die Nummer eins im europäischen Prüfwesen. Führend ist sie aber auch bei der Umweltprüfung ganzer Betriebe und Produktionsanlagen.

Verschrieben hat sich das Unternehmen vor allem der Verkehrssicherheit. Es arbeitet mit einem ganzen Strauß von technischen, organisatorischen und pädagogischen Maßnahmen am Ziel der EU-Charta, die Zahl der Verkehrstoten zu halbieren. Hinter dem Konzern stehen einige zehntausend Gesellschafter, vornehmlich aus der Speditionsbranche. Der breite Streubesitz verhindert eine feindliche Übernahme.

Rüdiger Neuenburg, der Mann, der mit interessanten kulturellen oder sportlichen Veranstaltungen in Berlin „die Bühne für Kontakte zwischen den Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft bereitet“, ist für diese Tätigkeit bestens gerüstet. Jura und Betriebswirtschaft hat er studiert, bei zwei großen deutschen Autobauern – BMW und Mercedes – als PR-, Marketing- und Vertriebsmann gewirkt, sechs Jahre einen Verlag zum Erfolg und in Luxemburg eine „Wertpapier-Abwicklungsbank“ in die Arme der Deutschen Börse geführt.

Geboren ist er 1944 auf der Flucht aus Schlesien. Sie endete in Hamburg. Mit einer Kurzgeschichte über „Junge Liebe“ wurde er Sieger in einem Schülerwettbewerb. Wenn er ganz viel Zeit hätte, könnte er sich auch heute noch als Autor eines Romans sehen, in dem ein „moderner Held“ – so zwischen Old Shatterhand und James Bond – auftreten sollte.

Mit seiner Frau, mit der er seit über 30 Jahren glücklich zusammenlebt, teilt er die Begeisterung fürs Reisen, zum Beispiel nach Peru. Ansonsten radelt er von ihrer Wohnung An der Rehwiese beherzt um den Schlachtensee und genießt die viel zu raren Golfrunden.

Sein Wunsch an den Regierenden Bürgermeister: Mehr Verständnis für die Anliegen und Anforderungen der Wirtschaft. Für jeden Vorstand, der sich für Berlin interessiere, müsse ein roter Teppich ausgelegt werden: Das sollte dieser Koalition doch nicht so schwerfallen.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels

Rüdiger H. Neuenburg (63) ist Rechtsanwalt und Direktor der Dekra-Konzernrepräsentanz Berlin. Außer Jura hat der PR- und Marketingexperte auch Betriebswirtschaftslehre studiert.

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