LBB-Verkauf : Land und Kunde glücklich

Jetzt ist es also vollbracht. Die Landesbank ist verkauft und Berlin hat ein stolzes Sümmchen eingenommen. Auch die Sparkassen können sich als Gewinner sehen. Dennoch bleiben Fragen offen.

Ein Kommentar von Markus Mechnich

Jetzt ist es also vollbracht. Die Landesbank ist verkauft und Berlin hat die stolze Summe von 4,82 Milliarden Euro eingenommen. Mit den Sparkassen hat sich ein Käufer gefunden, der für alle Seiten optimal scheint. Die LBB bleibt im öffentlich-rechtlichen Sektor. Heuschrecken und andere Gespenster aus der Finanzbranche müssen der Idylle fernbleiben.

Für die Kunden der Bank ist diese Entwicklung ein beruhigendes Gefühl. Diese haben sich meist bewusst für ein öffentlich-rechtliches Institut entschieden und werden auch künftig ihr Geld bei der Sparkasse gut aufgehoben sehen. Das ist, neben den erzielten Milliarden, der Erfolg für die Berliner Regierung.

Für Berlin ist der Verkauf am Ende doch ein Erfolg geworden. Das war kein Selbstläufer. Nachdem das Land die Bank im Jahr 2001 vor dem Abgrund rettete, sah es lange so aus, als würde sich die LBB zum Ladenhüter entwickeln. Noch zwei Jahre nach dem Beinahe-Untergang bot ein US-Investor zehn Millionen Euro für das Geldinstitut. Verglichen mit dem jetzt erzielten Erlös wäre das geradezu ein Trinkgeld gewesen. LBB-Chef Hans-Jörg Vetter hat seine Bank in der Zwischenzeit wieder in die Profitabilität geführt und zu einem attraktiven Objekt gemacht. Nicht zuletzt ihm ist es zu verdanken, dass Berlin aus der vom ehemalige Berlin-Hyp-Vorstand Klaus-Rüdiger Landowsky angezettelten Misere mit einem blauen Auge davon gekommen ist.

Privatbanken machten keine gute Figur

Betrachtet man den Verkauf aus der Perspektive der deutschen Bankenlandschaft, so ist die Bilanz eher ernüchternd. Am Ende war nur noch die Commerzbank im Bieterverfahren vertreten und man hatte kaum das Gefühl, dass Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller ernsthaft einen Kauf anstrebte. Es drängte sich eher der Eindruck auf, dass das Geldinstitut auserkoren war das Fähnlein der deutschen Privatbanken hoch zu halten, ohne ernsthaft in Gefahr zu geraten, die LBB wirklich übernehmen zu müssen. Trotzdem ist es für Müller eine bittere Niederlage, nach der Berliner Bank, der Norisbank und dem BHW, erneut bei einem möglichen Zukauf leer auszugehen.

Der Sparkassenverbund DSGV und sein Präsident Haasis hingegen dürfen sich zu den Gewinnern zählen. Vor dem erfolgreichen Kauf stand ein langer und zäher Werbefeldzug bei den 458 Sparkassen der Republik. Seine Mission schien anfangs nahezu unmöglich, so groß war das Desinteresse bei vielen Mitgliedern. Alle waren mit sich selbst beschäftigt und eher daran interssiert die eigenen Claims abzustecken. So schien ihnen das öffentlich-rechtliche Reservat in Berlin kein lohnendes Objekt zu sein. Doch am Ende waren fast alle an Bord und retteten das "S" der Sparkassen vor dem Fall in private Hände. Ein wichtiger Sieg für die Sparkassen, die immer noch um ihre Sonderstellung in Deutschland mit der EU ringen.

Sparkassen zahlen einen hohen Preis

Natürlich haben die Sparkassen einen Preis bezahlt, der in einer Privatbank Aufsichtsrat und Aktionären nur schwer zu vermitteln gewesen wäre. Der Preis war genauso politisch, wie die Vorgänge, die zum Verkauf des Geldinstituts geführt haben. Die LBB ist leistungsfähig und mit einem stattlichen Kundenstamm in der Stadt auch durchaus attraktiv. Das Geschäft mit Kreditkarten floriert und die Fonds laufen gut. Aber mit 4,8 Milliarden ist die Bank trotzdem überbewertet.

Vorbehaltlich möglicher Prüfungen der EU-Kartellbehörden scheint die Geschichte der LBB ein Erfolg gewesen zu sein. Für Berlin und die Sparkassen kann man das durchaus so sagen. Für die Privatbanken in Deutschland sieht die Sache aber anders aus. Keine Spur mehr von dem vielbeschworenen Aufbrechen des öffentlich-rechtlichen Sektors. Vergessen das Vorhaben von Häusern wie der Dresdner Bank oder der Deutschen Bank, sich im Inland stark zu machen und sich so vor feindlichen Übernahmen zu schützen. Das Exempel dazu blieb aus. So bleibt die Frage, was während des nächsten Tiefs mit den deutschen Banken passieren könnte. Bei der niederländischen ABN Amro streiten sich zwei Bieter gerade um eine Bank im Wert von 70 Milliarden Euro. Dafür wäre mit Leichtigkeit auch eine der deutschen Privatbanken zu haben. Wenn die Wirtschaftsdaten mal nicht mehr so rosig aussehen, wird es schwer werden die eigene Selbstständigkeit zu erhalten.

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