Streiks im Einzelhandel : Niemand steht vor verschlossenen Türen

Verdi hat seine Mitglieder in Berlin zu ganztätigen Streiks in den Supermarktketten Rewe, Penny, Reichelt, Extra und Kaisers aufgerufen. Die Märkte haben schnell reagiert und so kam es nur zu wenigen Ausfällen.

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Gefüllte Einkaufskörbe: Trotz der Streiks im Einzelhandel waren die Märkte der betroffenen Ketten geöffnet. -Foto: dpa

BerlinBisher streiken laut Verdi-Angaben insgesamt etwa 1000 Mitarbeiter, gegen 12 Uhr wird es eine Kundgebung auf dem Alexanderplatz geben. "Es ist ein voller Erfolg. Es streiken mehr Mitarbeiter, als wir ursprünglich erwartet hatten", so Erika Ritter, Verdi-Verhandlungsführerin in Berlin und Brandenburg, gegenüber tagesspiegel.de.

Auf telefonische Anfrage der Redaktion sagten die Pressesprecher der jeweiligen Ketten jedoch einstimmig, dass gar keine Filialen von Ausfällen betroffen seien, da nur eine sehr geringe Anzahl von Mitarbeitern streike. Die Märkte von Real, Extra, Kaisers, Rewe, Reichelt und Edeka hätten zu den üblichen Öffnungszeiten, wenn auch teils in Notbesetzung, ihren Betrieb beginnen können. Lediglich sieben Penny-Läden in der Hauptstadt seien am frühen Morgen geschlossen gewesen, teilte der Handelsverband Berlin-Brandenburg mit.

Verdi fordert unter anderem 6,5 Prozent mehr Lohn und ein tarifliches Mindesteinkommen von 1500 Euro bei Vollzeitarbeit. Die Arbeitgeber verlangen nach Angaben der Gewerkschaft, dass die Zuschläge für Arbeitszeiten am Abend und am Samstag gestrichen und in der Nacht erheblich reduziert werden.

Die Tarifrunde im Einzelhandel laufe seit Anfang 2007 infolge der Kündigung der Manteltarifverträge durch die Arbeitgeber, so die Gewerkschaft. Die ersten Runden im Juni und Juli in Berlin verliefen ergebnislos. Auch im gemeinsam verabredeten Pilotbezirk Nordrhein-Westfalen waren Verhandlungen wegen der "unnachgiebigen Position der Arbeitgeber" Anfang September ergebnislos gestoppt worden. Das dort unterbreitete Arbeitgeberangebot wurde von Verdi zurückgewiesen, weil den Beschäftigten unter dem Strich damit Einkommenseinbußen von monatlich bis zu 180 Euro gedroht hätten.

"Es kann nicht sein, dass die Beschäftigten zu immer ungünstigeren Arbeitszeiten zur Arbeit eingeteilt werden und dafür durch die Streichung der Zuschläge doppelt bestraft werden", sagte Ritter. Verdi bereitet inzwischen bundesweit Streiks vor, die das "bisher gewohnte Maß überschreiten werden". (Tso)

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