Türkische Unternehmen : Nicht nur Obst und Gemüse

Bei einem Treffen mit türkischstämmigen Unternehmern betont Berlins Wirtschaftssenator Wolf deren Bedeutung für die Region. Einen Seitenhieb auf Thilo Sarrazin kann er sich dabei nicht verkneifen.

Thorsten Scheimann
"Aus dem Alltag sind diese Unternehmen nicht mehr wegzudenken", sagt Wolf (Archivbild) Foto: dpa
"Aus dem Alltag sind diese Unternehmen nicht mehr wegzudenken", sagt Wolf (Archivbild)Foto: dpa

In der Integrationsdebatte wird türkischen und arabischen Migranten oft vorgeworfen, zur deutschen Wirtschaftsleistung wenig beizutragen. Dabei sind in Deutschland etwa 80 000 türkischstämmige Unternehmer und Unternehmerinnen aktiv, davon allein 8000 in Berlin.

"Mit einem Umsatz von über 35 Milliarden Euro im Jahr und einer Beschäftigung von mehr als 400 000 Arbeitnehmern haben diese Unternehmen einen wesentlichen Anteil an unserem Wirtschaftsleben", sagte der Präsident der Türkisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer (TD-IHK), Rainhardt Freiherr von Leoprechting, am Montag in Berlin. Zunehmend seien auch die Dienstleistungsbranche, Handwerks- und Baubetriebe sowie Unternehmensberater und Anwälte auf dem Vormarsch. Neben seiner Position in der Handelskammer berät Leoprechting den größten deutschen Handelskonzern Metro, bei dem er zuletzt als Manager angestellt war.

"Aus dem Alltag sind diese Unternehmen nicht mehr wegzudenken", sagte Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke). Es gehe nicht nur um den Austausch von Waren und Dienstleistungen, sondern auch um Kommunikation zwischen Menschen. Die Erfahrungen, Kontakte sowie das Wissen der türkischen Unternehmer könne man in Zukunft auch nutzen, um die wirtschaftlichen Beziehungen zu Unternehmen in der Türkei zu verstärken.

Die Wirtschaft müsse aber dafür sorgen, dass Jugendliche besser ausgebildet werden, und ausländische Berufsabschlüsse anerkennen. Statt über den Zuzug von Fachkräften zu diskutieren, solle man sich erst darum kümmern, dass die schon in Deutschland lebenden Migranten ihre Qualifikationen einbringen können.

Wenn man wie Berlins Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin den einzigen produktiven Beitrag von Migranten in Obst- und Gemüseläden sehe, verkenne man die Realität völlig, sagte Wolf. "Es ist die Frage, wo Sarrazin sich in den letzten zehn Jahren aufgehalten hat. Die Berliner Realität hat er jedenfalls nicht richtig verstanden."

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