Wirtschaft : Der dritte Mann

Gruner + Jahr hat „TV Today“ an einen Hamburger Kaufmann verkauft. Was keiner wusste: Das Geld stammt vom Konkurrenzverlag Burda

Ulrike Simon

Berlin - Der Münchner Burda-Verlag ist überraschend als Geldgeber für den Kauf der Programmzeitschrift „TV Today“ aufgetaucht. Als Gruner+Jahr Ende Mai mitgeteilt hatte, „TV Today“ mitsamt der Tochtergesellschaft „Magazin Verlag am Fleetrand“ zu verkaufen, hieß es noch, der neue Eigentümer sei der mittelständische Kaufmann Hans Barlach aus Hamburg.

Barlach hatte gehofft, dass es so schnell niemand erfährt. Jetzt ist es raus, „und eigentlich haben wir ja auch nichts zu verbergen“, beeilt er sich zu sagen. Doch auch G+J wusste zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses nichts von Burda als Finanzier. Barlach hatte immer mal wieder von einem Schweizer Finanzpartner gesprochen. Bis zuletzt wollte er verschweigen, dass Burda die rund 15 Millionen Euro teure Übernahme mehrheitlich finanziert. Burda hat sich im Gegenzug die Option gesichert, an „TV Today“ (Auflage: 763000 Exemplare) eine Minderheitsbeteiligung zu bekommen.

Der Handel um „TV Today“ offenbart, auf welche Weise deutsche Verlage untereinander konkurrieren, wie sie mit allen Mitteln zu verhindern versuchen, dass ein anderer Wettbewerber seine Position stärkt, und wie sie um eigene Marktanteile kämpfen.

Ans Licht der Öffentlichkeit kam der Finanzier Burda im Zuge der Ermittlungen des Bundeskartellamts. Noch am Montag stand im Internet unter der Rubrik „angemeldete Fusionen“, die Barlach Magazin Management GmbH sei der Erwerber. Erst nachdem Barlach von der Behörde aufgefordert worden war, alle Verträge offen zu legen, trat das Geschäft mit Burda zutage. Der Eintrag wurde entsprechend geändert, das Kartellamt rechnet den Erwerb von „TV Today“ komplett Burda zu – obgleich die verlegerische Führung laut Barlach ihm obliegt.

Jetzt rätselt die Branche, welches Interesse Burda an „TV Today“ hat. Immerhin ist der Markt der Programmtitel nicht nur wegen seiner Gesamtauflage von 18 Millionen verkauften Heften interessant. Auch lässt sich mit diesen Zeitschriften gutes Geld verdienen.

Burda und G+J sind in vielerlei Hinsicht Konkurrenten. Zum Beispiel erscheinen bei G+J der „Stern“ und „Gala“, bei Burda „Focus“ und „Bunte“. Zudem wetteifert Burda darum, G+J den Rang als Marktführer im Anzeigenmarkt abzujagen. Daher wehrte sich G+J mit aller Macht dagegen, „TV Today“ an Burda zu verkaufen. In einem der ersten Entwürfe für den Vertrag mit Barlach wollte G+J sogar eine Klausel einfügen, die Barlach untersagt hätte, das Blatt zu einem späteren Zeitpunkt an Burda zu verkaufen.

Hinzu kommt, dass Burda bereits eine 14-tägliche Fernsehzeitschrift besitzt. Über direkte und indirekte Beteiligungen gehören Burda sechzig Prozent an „TV Spielfilm“. Das Blatt verkauft mit jedem Heft 1,9 Millionen Exemplare und zählt damit knapp hinter den vom Bauer-Verlag herausgegebenen Titeln „TV 14“ (2,15 Millionen) und „TV Movie“ (zwei Millionen Exemplare) zu den auflagenstärksten Fernsehtiteln. Allerdings schrumpft die Auflage von „TV Spielfilm“ – aktuell verliert das Blatt 6,6 Prozent. Burdas Interesse könnte darauf abzielen zu verhindern, dass sich der Bauer-Verlag, der ohnehin mehr als die Hälfte des Programmzeitschriftenmarkts beherrscht, künftig auch noch „TV Today“ mit seinen 300000 Abonnenten einverleibt. In dem Fall könnte „TV Movie“ seinen Abstand zum Burda-Titel „TV Spielfilm“ weiter ausbauen und wäre nicht mehr einzuholen.

Bleibt die Frage, welche Pläne Barlach, dem auch die „Hamburger Morgenpost“ gehört (was er mit Geld vom Bauer-Verlag finanziert hat), bei „TV Today“ hegt. Dem Vernehmen nach sollen von den 100 Mitarbeitern nach einem Stellenabbau nur 30 übrig bleiben. Zudem will Barlach ein Callcenter aufbauen und in den Handel mit DVDs einsteigen. Sollte er sich wirtschaftlich überheben, könnte „TV Today“ ganz an Burda gehen oder spätestens nach der zweijährigen Bestandsgarantie eingestellt werden. Das würden dann alle Verlage mit Programmzeitschriften begrüßen.

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