Wirtschaft : Der Öl-Preis hat die Märkte im Griff

Opec erhöht Förderung / IWF zuversichtlich/US-Notenbank erhöht Leitzins

Bernd Hops/Moritz Döbler

Berlin - Die deutschen Börsen haben sich am Dienstag vom Wahlschock erholt, aber die Stimmung unter Analysten und Investoren hat sich eingetrübt. Der Deutsche Aktienindex (Dax) legte um 0,75 Prozent auf 4962,86 Punkte zu. Auch die Nebenwerte waren gefragt, der M-Dax stieg um 0,67 Prozent auf ein Allzeithoch von 6982,29 Punkten zu.

Doch die monatliche Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ergab einen Rückgang bei den Konjunkturerwartungen von 50 auf 38,6 Punkte. Dabei schlage sich schon die Unsicherheit nach der Bundestagswahl nieder, schrieb das ZEW. Ein weiterer Faktor für den Rückgang sei der erneut gestiegene Ölpreis, der auf den Konsum drücken könnte. Befragt wurden 309 Analysten und Anleger.

Die US-Zentralbank Fed ist dagegen optimistisch. Trotz der Sorge vor einem Konjunkturdämpfer durch den Hurrikan „Katrina“ hat die Notenbank am Dienstag den Leitzins erneut um 25 Basispunkte auf 3,75 Prozent angehoben. Es war die elfte Erhöhung in den letzten 15 Monaten. Die Fed will die Beschleunigung des Preisanstiegs unter Kontrolle halten. Die Sorge ist, dass die hohen Ölpreise die Verbraucherpreise in die Höhe treiben könnten.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) bleibt aber zuversichtlich, dass die Weltwirtschaft trotz des teuren Öls und des Hurrikans weiter robust wachsen wird, hieß es am Dienstag vor der Jahrestagung am Wochenende in Washington aus der deutschen Delegation. Der IWF-Wirtschaftsausblick wurde noch nicht veröffentlicht, soll aber ein weltweites Wachstum von 4,3 Prozent für dieses und ebenso für 2006 prognostizieren. Deutschland liegt demnach bei 0,8 Prozent in diesem und 1,2 Prozent im nächsten Jahr. Die Ölpreisentwicklung sieht der IWF als zentrales Risiko an.

Dabei bleibt die Entwicklung an den Ölmärkten unübersichtlich – auch auf längere Sicht. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) erlaubte deshalb ihren Mitgliedern, alle freien Kapazitäten zu nutzen. Damit will das Kartell bis zu zwei Millionen Barrel (je 159 Liter) zusätzlich auf den Markt bringen. Opec-Präsident Ahmed Fahd al-Ahmed al-Sabah sagte, damit sollte Sorgen über einen Versorgungsengpass vor Beginn der Heizperiode auf der Nordhalbkugel begegnet werden. Der saudische Ölminister Ali Naimi erklärte, sein Land könne die Produktion umgehend um 1,5 Millionen Barrel pro Tag erhöhen.

Dennis Nacken, Ölanalyst bei Helaba Trust, rechnet trotzdem nicht mit einer schnellen Erholung des Ölmarkts in diesem Winter. „Die Opec versucht durch den Beschluss, Ruhe in den Markt zu bringen. Das ist auf jeden Fall positiv zu bewerten“, sagte er dem Tagesspiegel. Außerdem sei das aktuelle Ölangebot ausreichend für die Nachfrage. Doch werde zurzeit eine Risikoprämie gezahlt, weil die freien Kapazitäten, die zum Ausgleich von Ausfällen wie etwa nach „Katrina“ bereitstehen, stark beschränkt sind.

In den USA waren die Ölpreise am Montag angesichts des nahenden nächsten Hurrikans „Rita“ auch um rund vier Dollar je Barrel in die Höhe geschossen. Die ersten Ölplattformen wurden bereits geräumt. Am Dienstag gaben die Notierungen zwar wieder nach, blieben aber immer noch über der Marke von 66 Dollar.

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